Kommentar
13.03.2015

Kopftuch ist so okay wie ein Schlabberpulli

Bundesverfassungsgericht korrigiert seine Rechtsprechung zum "Kopftuchverbot" in Schulen

Es ist unglaublich, mit welcher Hingabe und Ausdauer in diesem Land über das Kopftuch diskutiert wird. Nun gibt es mal wieder neues Futter: Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass Lehrerinnen das Tragen eines Kopftuches nur dann verboten werden könne, wenn der Schulfrieden konkret gestört sei. Und:
Eine Ungleichbehandlung zwischen „islamischem Kopftuch“, christlichem Habit und jüdischer Kippa ist - sehr einleuchtend - nicht verfassungskonform.  Heide Oestreich hat in der taz auf eine groteske Konsequenz aus der Karlsruher Neubewertung hingewiesen: „Nun können alle, die es wollen, den Schulfrieden stören, indem sie Lehrerinnen anfeinden, weil diese ein Kopftuch tragen. Die paradoxe Wirkung: Nach rassistischen Angriffen auf eine Kopftuch-Lehrerin muss diese als Konsequenz ihr Kopftuch ablegen. Pegida wird jubeln.“

In einer freien Gesellschaft darf es keine Kleidervorschriften geben. Und auch keine Einschränkung der Meinungs- und Glaubensbekundung durch Klamotten oder Schmuck. Die „Neutralitätspflicht des Staates“ wird ganz sicher nicht dadurch gefährdet, dass Lehrerinnen und Lehrer als Individuen ein wenig zu ihrer Individualität stehen (wenn sie das nicht tun dürften, könnte man wohl mehr als 95% der Lehrkräfte nach Hause schicken - weil sie natürlich gar nicht „neutral“ sind, sondern ihre Schüler tief blicken lassen in ihre Vorlieben, Meinungen und privaten Tätigkeiten). Unsere Lehrer tragen aus gutem Grund keine Uniformen!

Eine freie Gesellschaft muss ihren Mitgliedern zumuten, wichtige Grundüberzeugungen anderer Menschen optisch zu ertragen - zumal willkürlich jedes Kleidungsstück, jeder Schmuck, ja jede Geste oder Haltung zu einem politischen oder religiösen Bekenntnis gestempelt werden kann.

Gerade Lehrerinnen und Lehrer sollten ihre Grundüberzeugungen nicht verstecken. Schüler ahmen sie ja keineswegs einfach nach - sie setzen sich tagtäglich mit ihren Lehrern auseinander, reden mit ihnen, vor allem aber auch über sie. Da sind klare Bekenntnisse der Lehrer stets hilfreich  - ob „Atomkraft - nein Danke“, „Jesus liebt dich“ oder „ Mohammed ist der Gesandte Gottes".

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