East Kerala leidet besonders unter dem Monsun

Anitha Andrews berichtet aus ihrer Heimat

Vor vier Monaten veraschiedete sich Anitha Andrews noch 15 Monaten Freiwilligendienst im Dekanat Alsfeld und ging zurück in ihre Heimat Kerala. Wir haben sie um einen Augenzeugenbericht gebeten: Was ist los in Kerala? Wie ist die Lage? Stimmen die Berichte, die wir hören? - Seit über einer Woche hat Anithas Familie, die in Höhenzügen Keralas wohnt, keinen Strom mehr. Der Akkuleistung ihres Smartphones neigt sich dem Ende. Orte mit Strom sind nicht erreichbar. Anitha sendet uns ihren Bericht, der die schlimmsten Nachrichten bestätigt. Wir haben Anitha gebeten, ihr Smartphone vorläufig abzustellen: Vielleicht braucht sie den Rest Akkuleistung für einen Notruf. Zugleich hofffen wir darauf, bald über "Entwarnung" zu hören. Wir geben Anithas Bericht im Wortlaut wieder. Aus den vielen Wiederholungen erkennt man ihr Entsetzen. Lesen Sie Anithas Bericht!
Erdrutsche um Anithas Haus herum"Kerala erlebt den heftigsten Regen seit 1924. Dabei kommt es zu massiven Zerstörungen. Viele Menschen verdienen als Tagelöhner ihren Lebensunterhalt: Sie haben jetzt keinen einzigen Cent mehr in der Tasche. Menschen wiederum , die noch Geld besitzen, können keinerlei Waren und Lebensmittel kaufen: Die Geschäfte sind alle im Wasser versunken. Viele Menschen haben kein Dach mehr über dem Kopf, kein Essen, keine Kleidung. Viele Schüler und Studenten haben ihr komplettes Arbeitsmaterial in den Fluten verloren.Über 200 Häuser sind komplett zerstört worden. Weitere 10.000 Häuser sind teilweise zerstört. In vielen Häusern steht das Wasser.
Etwa 30.000 Menschen in Kerala erleben nun den heftigsten Regen in Zeltstädten. Vierzig Menschen haben bislang ihr Leben verloren. Viele Menschen werden vermisst. In zahlreichen Regionen sind die Schulen sowie deren Ausstattung zerstört.
Besonders stark sind unsere Region betroffen, die Diözese East Kerala, sowie die Region Wayanadu. Viele Brücken sind zerstört. Die Straßen sind blockiert, damit ist jeglicher Transport von Menschen und Waren unmöglich. Man kommt kaum von einem Ort zum nächsten. Um die hundert völlig unterschiedliche Einrichtungen - Kirchen, Schulen, Universitäten, Krankenhäuser usw.) werden zu Notunterkünften umgenutzt.
All Menschen in Kerala haben Angst vor dem nächsten Augenblick. Alles kann passieren: Erdrutsche, Bäume stürzen um. Die Fluten führen dazu, dass Menschen vermisst werden und Häuser und Gebäude zusammenbrechen. Der Tod umgibt uns. Gerade die Diözese East Kerala leidet unter den heftigen Niederschlägen. Unsere sozialdiakonischen Projekte in Manikandanchalu, Kurathikkudi und Korangatty sind in allergrößten Schwierigkeiten.
Viele Menschen können vor Angst nachts nicht schlafen. Bäume sind auf ihre Häuser gefallen. Und gerade in diesem heftigen Regen fehlt es den Menschen an Trinkwasser.
Viele Kirchen sind zerstört. Der Idukki-Staudamm (im Gebiet der Diözese gelegen - rm) ist einer der größten Staudämme Asiens. Zum ersten Mal seit vielen Jahren mussten die Schleusen geöffnet werden. Unter den herabstürzenden Fluten leiden zwei Regionen zusätzlich.
Weiterhin fällt unentwegt Regen. Alte Menschen sind allein in ihren Häusern. Die Menschen können ihre Häuser nicht verlassen, weil sie von Wassermassen umgeben sind. Die Schulen sind für zwei Monate geschlossen.
Ich habe seit vielen Tagen keinen Strom mehr. Auch unsere Straßen sind durch Geröllmassen blockiert. Wir kommen aus der Situation, in der wir uns befinden, nicht heraus. Die Landwirtschaft in meiner Region ist völlig zerstört. Durch Erdrutsche ist an einer unserer Kirchen der Friedhof komplett abgerutscht. Es gibt keinen Ort, unsere Toten zu bestatten, weil auch die Friedhofserde komplett in den Fluten versinkt."

Auf Facebook verfolgt Ralf Müller die Berichte aus Kerala und stelle diese unter seinem Account zusammen.
Aktuelle Informationen, Fotos und kurze Smartphone-Filme finden Sie auch auf der Website der Church of South India, der die Diözese East Kerala angehört.
16.08.2018