Geistlich leiden – geistlich leiten

Treffen der Kirchenvorsteher des Ev. Dekanats Alsfeld mit Impulsen für die geistliche Arbeit in den Gemeinden

„Geistliche leiden – geistlich leiten“ – Ina Wittmeier von der Ehrenamtsakademie der EKHN nahm die Kirchenvorstehenden mit auf eine spannende Reise zu guten Entscheidungen.Wie geistlich ist die Arbeit der Kirchenvorstände? Ist der Heilige Geist in den Sitzungen zu spüren? Und ist es auch geistliche Arbeit, wenn im Kirchenvorstand über wirtschaftliche Belange beraten wird? Wie findet man Entscheidungen? Und wie wichtig ist Einmütigkeit? Diese Fragen standen im Zentrum der diesjährigen Versammlung der Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher, zu der Präses Sylvia Bräuning am vergangenen Freitag in das Strebendorfer Dorfgemeinschaftshaus geladen hatte.

Etwa dreißig Männer und Frauen aus den Kirchengemeinden des Dekanats Alsfeld – allesamt Vorsitzende oder stellvertretende Vorsitzende der Kirchenvorstände – konnte sie gemeinsam mit Dekan Dr. Jürgen Sauer und ihrer Stellvertreterin Winfriede Fuhrmann zu einem Abend mit viel Information und regem Austausch begrüßen.
Mit einer Andacht eröffnete der Dekan den Abend, danach informierte die Präses über Neuigkeiten aus dem Dekanat. Hierbei ging es um Pfarrerstellen in den Gemeinden, von denen einige neu besetzt werden konnten und einige noch vakant sind, um personelle Entwicklungen in der Verwaltung und um die Arbeit des Dekanatssynodalvorstandes, der sich neben seinen monatlichen Sitzungen in diesem Jahr auch zu einem ganzen Klausurwochenende getroffen hat. „Eine gute Möglichkeit der persönlichen Begegnung und des intensiven Austauschs“, unterstrich Bräuning, gerade auch mit Blick auf die Arbeit des DSV in der Steuerungsgruppe zur bevorstehenden Fusion der Ev. Dekanate Alsfeld und Vogelsberg. Jeweils acht Abgeordnete aus jedem Dekanat befassen sich hier mit unterschiedlichsten Themen, beispielsweise mit der Raumfindung, den IT-Anforderungen oder den verschiedenen Handlungsfeldern kirchlicher Arbeit.



Ganz besonders erfreut zeigte sich Bräuning über die neugegründete Ev. Katharinengemeinde Gemünden, in der sich mit Wirkung vom 1.1.2017 die Kirchengemeinden Bleidenrod, Nieder-Gemünden / Otterbach, Hainbach, Burg-Gemünden und Elpenrod zusammengeschlossen haben.
Der Stand der Fusionsverhandlungen war auch Thema des Berichts von Norbert Kelbassa, der die Arbeit der Mitarbeitervertretung (MAV) vorstellte. Daneben präsentierte er einen neuen Wegweiser für Kirchenvorstände, der sich mit dem Thema Personalangelegenheiten befasst – ein äußerst wichtiges Arbeitsfeld für Kirchenvorstände, für das zudem neue Richtlinien seitens der Kirchenverwaltung zum Tragen kommen. Für die nächste Zeit kündigte Kelbassa Besuche der MAV bei den Kirchenvorständen an, um den Kontakt und den Austausch zu intensivieren.



Dem Kernthema des Abends widmete sich sodann Ina Wittmeier. Die Dipl.-Pädagogin und Arbeitspsychologin war von der Ehrenamtsakademie der EKHN nach Strebendorf gekommen, um auf Anregung von Präses Bräuning mit den Kirchenvorstehenden über die Gestaltung geistlicher Themen in ihrer KV-Arbeit zu sprechen. „Geistlich leiten oder doch eher geistlich leiden?“ war die Grundfrage dieses Programmpunkts, den Wittmeier auf die Frage der Entscheidungsfindung im Kirchenvorstand konzentrierte. Sie bat alle Anwesenden zu überlegen, wo, wann und wie der Geist im eigenen Kirchenvorstand wirkt – eine ganze Weile spürten die Teilnehmendem dieser Frage nach, die sie im Anschluss auch beantworteten. „Wenn eine schwierige kontrovers diskutierte Entscheidung sich im Nachhinein als richtig erwiesen hat, dann hat der Geist gewirkt.“ „Wenn die Zusammenarbeit freundschaftlich und respektvoll ist.“ „Wenn man die Zeit hat, Dinge reifen zu lassen.“ „Wenn verschiedene Begabungen der KV-Mitglieder erkannt werden und zum Tragen kommen.“ So und anders lauteten die verschiedenen Wahrnehmungen des Geistes in den Sitzungen.

Geistlich leiten schlage sich auch in Entscheidungen nieder, deren Konsequenzen sich als vom Geist geleitet erweisen müssten, führte Wittmeier weiter aus. Um geistlich zu entscheiden, müsse ein Kirchenvorstand sein Selbstverständnis klären und die getroffenen Entscheidungen auf die christlichen Werte hin prüfen. So stellte die Referentin einige Kriterien vor, anhand derer man zu guten, einmütigen Entscheidungen kommen könne.
Diese wurden im Anschluss von den Teilnehmenden aufgegriffen und auf ihren Realitätsbezug überprüft. Beispielsweise ging es um die Frage, wie frei man noch entscheiden könne, wenn rein wirtschaftliche Belange im Vordergrund stehen, oder wie genau der Begriff „einmütig“ zu verstehen sei, da man einstimmige Entscheidungen ja nicht erzwingen wolle und könne. Hinter diesem Begriff stecke eine Haltung des Akzeptierens von Mehrheitsbeschlüssen, selbst wenn man selbst anderer Meinung war. Zusätzlich zu diesen theoretischen Ausführungen, die die KV’s nun selbst auf ihre Realitätstauglichkeit hin überprüfen müssen, gab Ina Wittmeier den Kirchenvorstehenden auch ganz praktische Tipps mit auf den Weg in ihre nächste Sitzung: Sie stellte die Technik des „Systemischen Konsensierens“ dar und empfahl für schwierige Verhandlungen Sprachregelungen zu vereinbaren, um die Dinge nach außen zu kommunizieren.

Ein Stunde, von der viele Kirchenvorstehenden etwas für ihre Arbeit mitnehmen können, da war man sich einig, auch wenn dies für jeden einzelnen etwas ganz Eigenes bedeutete.
Unter dem Punkt „Verschiedenes“ kam Dekan Dr. Jürgen Sauer noch auf ein aktuell sehr akutes Thema zu sprechen: Immer häufiger nämlich stellt sich in Kirchengemeinden, in denen Geflüchtete leben und abgeschoben werden sollen, die Frage, ob Kirchenasyl hilfreich, erwünscht und möglich sei. Kein leichtes Thema, zu dem die EKHN gemeinsam mit anderen Organisationen eine Informationsveranstaltung am 1. Juli in Frankfurt anbietet. Dr. Sauer betonte, wie wichtig es sei, als KV bereits im Vorfeld einer solchen Situation zu einer grundsätzlichen Haltung zu kommen und ermunterte alle Interessierten, dieses Angebot wahrzunehmen.



14.06.2017
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