Abschied von einer Powerfrau mit Haltung und vielen Talenten

Pfarrerin Mona Rieg aus Kirtorf und Obergleen entpflichtet – Umzug nach Mecklenburg-Vorpommern

„Frau Rieg ist eine Powerfrau. Sie ist couragiert und sie weiß, was sie will. Sie ist klug und engagiert. Sicherlich eine gute Besetzung für Kirtorf.“ Mit dieser Empfehlung des damaligen Propstes Klaus Eibach war Pfarrerin Mona Rieg vor knapp 15 Jahren in Kitorf und Ober-Gleen gestartet. Nun erinnerte Dekan Dr. Jürgen Sauer in seiner Ansprache anlässlich der Verabschiedung Riegs an diese Prophezeiung, die sich im Lauf der Tätigkeit der Pfarrerin mehr als bewahrheitet hatte. Sauer lobte Riegs Engagement, ihre hohe Motivation und den Krafteinsatz – sie habe mit vielfältigen innovativen Ideen in den Gemeinden in der Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen in der Region und im Dekanat gewirkt.
Ein letztes Mal hatte Pfarrerin Mona Rieg am Sonntagnachmittag die Kirche in Ober-Gleen betreten, begleitet vom Dekan, ihren engsten Kollegen Pfarrer Walter Bernbeck, Pfarrer Frank Hammel und ihrem ehemaligen Kollegen Pfarrer Christoph Schulze-Gockel sowie den Kirchenvorständen ihrer Gemeinden. Dem Gottesdienst selbst wohnten Weggefährten, Pfarrerskollegen sowie Mitarbeitende aus dem Pfarrbüro und der Kindertagestätte bei, daneben zahlreiche Gemeindemitglieder, die der Pfarrerin verbunden sind, sowie weitere Vertreter kirchlicher und kommunaler Gremien. Musikalisch eingerahmt wurde der Gottesdienst von Lukas Ruckelshausen an der Orgel sowie dem Kirchenchor, vertretungsweise unter der Leitung von Veronika Bloemers.

Als erste Rednerin dankte Heike Jacobi, Vorsitzende des Ober-Gleener Kirchenvorstandes, der scheidenden Pfarrerin für die Zeit und die Begleitung der Menschen in den letzten mehr als 14 Jahren. Durch Freud und Leid sei man gemeinsam gegangen, so Jacobi, die mit guten Wünschen für die Zukunft Mona Riegs nicht sparte und ihr ein wirklich warmherziges, tiefempfundenes Dankeschön mit auf den Weg gab.

Bevor die Pfarrerin zur Kanzel schritt und in ihrer später noch zitierten Art, alte biblische Inhalte modern und lebendig an die Menschen zu bringen, ein letztes Mal vor ihrer Gemeinde sprach, griff sie zur Gitarre, um gemeinsam mit den Anwesenden das Glaubensbekenntnis zu singen. Eine Tradition bei größeren, feierlichen Gottesdiensten, die die Kirtorfer und Ober-Gleener liebgewonnen haben und von der sie sich nun verabschieden müssen - so wie von vielen Talenten, über die in späteren Redebeiträgen noch viel gesprochen wurde.

Zunächst jedoch würdigte Dekan Dr. Sauer vor der offiziellen Entpflichtung der Pfarrerin deren außergewöhnliche Leistungen. Besonderes Augenmerk lag dabei auf der Jugendarbeit, die sie zusammen mit ihrem Mann Timo Rieg wiederaufgebaut habe: Pfadfindergruppen, regelmäßige Treffen, große Fahrten und dahinter immer auch der Blick auf den bewussten Umgang mit der Schöpfung hätten dieses Engagement geprägt. Neben dem normalen Pfarrerinnenalltag mit Bestattungen, Trauungen, Taufen, Konfirmandenstunden, Gemeindefesten oder Gottesdiensten im Kirchenjahresrhythmus habe sie die Kindertagesstätte gemanagt, Vikarinnen und Lektorinnen ausgebildet, führte Dr. Sauer weiter aus, dazu habe sie in verschiedenen Ausschüssen der Dekanatssynode mitgearbeitet und in der letzten Legislatur auch im Dekanatssynodalvorstand (DSV) Verantwortung übernommen. Mit einem regenbogenfarbigen Schirm als Symbol der Vielfalt dieser Tätigkeiten verabschiedete sich der Dekan von Mona Rieg, nicht ohne ihr auch für ihre Beharrlichkeit im Kampf um die Überwindung von kleinen und großen Ungerechtigkeiten in Kirche und Gesellschaft und ihre manchmal unbequeme Kritik zu danken.

Am Ende des Gottesdienstes richtete Rieg selbst sehr persönliche Worte an ihre Gemeinden. Deutlich wurde dabei, wie sehr sie sich in die Gemeinden eingelebt und eingefühlt hat und wie sehr sie sich mit den Menschen verbunden fühlt. Sie dankte ihnen für die Offenheit und Bereitschaft, sich immer wieder auf Neues einzulassen und dankte allen ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden aus den Kirchengemeinden, dem Dekanat und auch der Kommune für die Zusammenarbeit. „Wir haben den Glauben und das Leben geteilt“, schloss sie, „es war eine gute Zeit.“

Den anschließenden, von Dr. Robert Ruckelshausen moderierten Empfang im Mehrgenerationenhaus nutzen eine ganz Reihe Rednerinnen und Redner, um sich bei Mona Rieg zu verabschieden, sich zu bedanken und ihre Leistung zu würdigen.

Sylvia Bräuning, Vorsitzende des DSV, sprach als erste. Sie selbst ist eine der Lektorinnen, die Rieg ausgebildet hatte, und zeigte sich der Pfarrerin entsprechend verbunden. Sie bedauere, eine Pfarrerin und Mitwirkende im DSV zu verlieren, die „dem Gremium mit ihren Ideen und ihrer Haltung guttat“, so Bräuning.

Bürgermeister Ulrich Künz dankte Rieg für ihre Arbeit in den Gemeinden, für ihre Anstöße und Vorhaben, die nicht immer konform mit den Vorstellungen der Kommune gegangen seien. Nichtsdestotrotz, so der Rathauschef, habe man stets das Gemeinwohl der Menschen als gemeinsamen Nenner gehabt und Kompromisse gefunden. Die Pfarrerin habe die Botschaften der Bibel auf Augenhöhe vermittelt, sie sei stets glaubwürdig geblieben und habe sich große Hochachtung erworben.

Dankesworte und gute Wünsche überbrachten sodann Pfarrer Zbigniew Wojcik aus der katholischen Pfarrei Sankt Michael Ruhlkirchen und Franz-Josef Selzer vom dazugehörigen Pfarrgemeinderat. Sie lobten Riegs Engagement in der ökumenischen Arbeit und zeigten sich sicher, dass die Pfarrerin Spuren hinterlassen hätte, die für immer bleiben.

Als Mitarbeiterin und Freundin sprach im Anschluss Christa Eckstein-Pfeil. Als Sekretärin im Gemeindebüro hatte sie über die ganze Amtszeit mit Mona Rieg gearbeitet und dachte nun auch an die Anfänge des Ehepaars Rieg in Kirtorf zurück, die sie voller Sympathie beschrieb. Sie hätten gemeinsam mit ihren Kindern und einer wachsenden Anzahl unterschiedlicher Tiere Leben in das Kirtorfer Pfarrhaus gebracht, hätten ihre Liebe zur Natur gelebt und in der Gemeinde viel bewirkt. Auch Eckstein-Pfeil machte in ihrer Ansprache viele Schwerpunkte aus, darunter die Jugend- und Frauenarbeit, aber auch die vielen anderen Talente, die Mona Rieg in die Zusammenarbeit einbrachte.

Hashmatullah Stanikzai dankte Mona Rieg im Namen seiner ganzen Familie, die von September 2017 bis ins Frühjahr 2018 Kirchenasyl in Kirtorf gefunden hatte – eine kurze, doch sehr emotionale Ansprache, die auch die Verbundenheit aller daran beteiligten Helferinnen und Helfer unterstrich.
Die beiden Kirchenvorstände Ober-Gleens und Kirtorfs würdigten die Person der Pfarrerin im Rahmen einer gespielten Kirchenvorstandssitzung, in der es darum ging, für die vielfach interessierte und multitalentierte Kirchenfrau ein passendes Abschiedsgeschenkt zu finden. Auf diese Art offenbarten die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher ihre Wertschätzung für die scheidende Seelsorgerin – gleich mehrere passende Geschenke darf diese nun mit an die Ostseeküste nehmen.

Und Fahrradfahren darf sie dort auch: Ihre engen Kollegen aus den anliegenden Kirchengemeinden, Walter Bernbeck, Christoph Schulze-Gockel und Frank Hammel verabschiedeten sich mit einem entsprechenden Gutschein von ihrer Kollegin, die sie in einer sehr launigen und persönlichen Ansprache würdigten. Es sei eine gute, inspirierende Zusammenarbeit gewesen, waren sie sich einig, auch wenn man sich inhaltlich durch die enge Kooperation der verschiedenen Kirchengemeinden eine höhere Abkehr vom üblichen Kirchturmdenken bei den Gemeindegliedern gewünscht hätte.

Die lange Reihe an Abschiedsworten beendete das eigens gegründete Duo Annika2 mit einem gutgemixten, gutgelaunt dargebotenen Liedbeitrag, den sie speziell für die Pfarrerin zusammengestellt hatten. Annika Fröhlich und Annika Panzer waren beide Vikarinnen in Kirtorf gewesen und hatten einen Teil ihrer Ausbildung bei Mona Rieg genossen. Diese zeigte sich nach all den Reden ergriffen und berührt und dennoch auch froh und ermuntert, zu neuen Ufern aufzubrechen. Ihre Gemeinden im oberhessischen Mittelgebirge werden ihr an ihrer neuen Wirkungsstätte sicher in Erinnerung blieben. Und von den gutgemeinten, ehrlichen Einladungen wird sie sicherlich Gebrauch machen: „Bis jetzt haben wir hier gewohnt und sind an die Ostsee in Urlaub gefahren – jetzt machen wir es eben andersherum.“ In Kirtorf, so hörte man, seien auf jeden Fall stets zwei Betten für Riegs bereit.

Text und Bilder: Traudi Schlitt
06.08.2018