Rückblicke, Abschiede und Ausblicke

Synodale des Evangelischen Dekanats Alsfeld tagten zum letzten Mal

Sie stand ganz im Zeichen der nun mit schnellen Schritten heraneilenden Fusion: Die letzte Sitzung der Synodalen des Ev. Dekanats Alsfeld fand am Samstag in Homberg/Ohm statt. Zum 1.1. werden die Dekanate Alsfeld und Vogelsberg fusionieren und den gemeinsamen Namen „Evangelisches Dekanat Vogelsberg“ tragen.


Bereits der Gottesdienst, gehalten von Pfarrerin Sarah Kiefer, beschäftigte sich mit dem Zusammenschluss der Dekanate und dessen Bedeutung für die Menschen darin. Liedauswahl und Predigt thematisierten die Zäsur, die – von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) verordnet – von beiden Dekanaten in verschiedenen Arbeitsgruppen planvoll, vertrauensvoll und guten Willens vorbereitet wird.



„Vertraut den neuen Wegen“, forderte ein musikalisches Bild die Synodalen zu einem positiven Blick in die Zukunft auf, und auch in der Predigt ging es um den Mut zu und das Vertrauen zu permanenter Erneuerung und Veränderung. „Einzig das Wort Gottes hat Bestand“, so das Fazit der Pfarrerin, deren Gottesdienst – musikalisch gutgelaunt und schwungvoll eingerahmt von der Homberger Kirchenband – ein kraftvoller, hoffnungsfroher Start in die Tagung war.



Bevor diese jedoch startete, wurden im Gottesdienst sechs hochverdiente Ehrenamtliche geehrt: Als Prädikantinnen und Prädikanten bzw. Lektorinnen und Lektoren sind Eleonore Hansel, Cordula Otto, Norbert Kelbassa und Bodo Müller seit 30 Jahren aktiv, Hiltrud Otto und Waltraud Schlögel seit 25 Jahren. „Gottes Wort in unsere Zeit hinauszutragen ist eine anspruchsvolle Ausgabe“, würdigte Dekan Dr. Jürgen Sauer das Engagement der Menschen, deren Wunsch es war und ist, „Gottes heilsames Wort weiterzusagen, dass es Menschen zu Herzen geht, sie tröstet und aufrichtet, ihnen Orientierung gibt und Nahrung für die Seele bietet.“
Die Sitzung in der Stadthalle eröffnete Präses Sylvia Bräuning. Als Ehrengäste begrüßte sie Claudia Blum, Bürgermeisterin in Homberg/Ohm, Martina Heide-Ermel vom Diakonischen Werk im Vogelsberg, Klaus Döll, stellvertretender Leiter der Ev. Regionalverwaltung, Ute Meißner vom Homberger Kirchenvorstand und Norbert Kelbassa von der Mitarbeitendenvertretung.



In ihrem Grußwort äußerte sich Bürgermeisterin Blum sehr positiv sowohl über die Versorgung mit Pfarrerinnen und Pfarrern ihrer Stadt und der Ortsteile als auch über die gute Zusammenarbeit der Kirchengemeinden mit den kommunalen Gremien. Kirche müsse zu den Menschen – mit diesen Worten skizzierte Blum eine Herausforderung von Kirche in diesen Tagen.
Aus der Arbeit des Dekanatssynodalvorstandes (DSV) im vergangenen halben Jahr berichtete die Vorsitzende des DSV, Präses Sylvia Bräuning. Zahlreiche Anfragen und Anträge aus den Kirchengemeinden ließ sie Revue passieren, verwies auf Beschlüsse und Genehmigungen von Finanzzuschüssen bis hin zu Personalentscheidungen und ging auch auf den Stand der Bemühungen um die Neubemessung der Pfarrstellen ein. Mit allen potenziell betroffenen Gemeinden im Dekanat Alsfeld habe man inzwischen Gespräche geführt – weitere Absprachen lägen nun zunächst in der Vorbereitungsgruppe. Auch verschieden Maßnahmen zum Umzug in das neue Dekanat seien bereits getroffen, u.a. Mietverträge gekündigt und Umzugsunternehmen bestellt. Ganz besonders verwies Bräuning auf die herausragende Spendenbereitschaft angesichts der Jahrhundertflut in der indischen Partnerdiözese East-Kerala: 45.000 Euro konnten vor kurzem vom Partnerschaftsausschuss in das von Zerstörung und Elend betroffene Land überwiesen werden.

Aus der Kirchensynode der EKHN lagen zwei Berichte der Delegierten Pfarrerin Susanne Gessner und Carsten Simmer vor. Hier war es Ende April um die Themen Digitalisierung, Heimkinder-Situation der 50er- und 60er-Jahre, ökofaire Beschaffung sowie die Zukunft der Kindertagesstätten in der EKHN gegangen. Darüber hinaus wurde zu den Bereichen Energiebeschaffungsgesetz und Änderung der Lebensordnung sowie dem Kirchengesetz zum Umgang mit Pfarrhäusern und Dienstwohnungen diskutiert.
In einem weiteren Bericht stellte Martina Heide-Ermel die Arbeit des regionalen Diakonischen Werks im Jahr 2017 dar: 1.684 Menschen wurden im Betrachtungszeitraum beraten, die Schwerpunkte liegen in den Bereichen Familie, Ehe / Paare, Jugendliche, Wohnungslosigkeit oder drohende Obdachlosigkeit sowie in der Arbeit mit Geflüchteten. Der Dekan lobte die Arbeit des Diakonischen Werks als „tätige Nächstenliebe“ und betonte, wie gut die Vernetzung von Diakonie und Kirchengemeinden vorangeschritten sei.



Auch verschiedene Wahlen standen auf der Tagesordnung der Synode: Zum 30.8. war Pfarrerin Mona Rieg aus dem Dekanat ausgeschieden, zum 31.12. verlässt Pfarrerin Susanne Gessner ihre Kirchengemeinde und das Dekanat. Für beide mussten nun neue DSV-Mitglieder gewählt werden, die aus der Pfarrerschaft zu kommen hatten. Pfarrerin Ursula Kadelka von der Ev. Katharinengemeinde Gemünden und Pfarrer Theo Günther von der Ev. Kirchengemeinde Alsfeld stellten sich zu Wahl und wurden mit großen Mehrheiten von der Versammlung bestellt.



Pfarrerin Susanne Gessner fungierte auch als Delegierte in der EKHN-Synode. Für sie wird nun ihr Stellvertreter Pfarrer Alexander Starck nachrücken, sodass wiederum eine Stellvertretung zu wählen war. Diese wurde mit Pfarrerin Sarah Kiefer gefunden. Zu guter Letzt wurde noch das DSV-Mitglied Michael Metz als Delegierter in den Partnerschaftsausschuss East-Kerala gewählt.



Über die Vorbereitungen für den Evangelischen Kirchentag in Dortmund im kommenden Jahr und den Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt im Jahr 2021 informierte sodann Valentin Zimmerling. Der Dekanatsjugendreferent vertritt das Dekanat bei den Vorbereitungen zum Kirchentag in Frankfurt und warb darum, zum einen Gemeindemitglieder, insbesondere Jugendliche, für eine Teilnahmen an den Kirchentagen zu begeistern, zum anderen Themen für den Ökumenischen Kirchentag vorzuschlagen. „Wir kommen auch gerne zu Ihnen in die Gemeinden und informieren über diese Veranstaltungen und die Teilnahmemöglichkeiten“, bot Zimmerling an.

In der Fragestunde kurz vor Ende der Synode wurde deutlich, dass die Vorgehensweise, bei der Neubemessung der Pfarrstellen zunächst mit den möglicherweise betroffenen Kirchengemeinden allein und erst in einem nächsten oder übernächsten Schritt über mögliche Kooperationen mit anderen Kirchengemeinden zu sprechen, nicht auf ungeteilte Zustimmung trifft. Präses Bräuning verteidigte und erläuterte diese Vorgehensweise und sicherte zu, dass bereits bestehende Kooperationen berücksichtigt würden.



Unter den Bereich „Sonstiges“ fiel der Abschied von Klaus Döll, der noch bis zum 31.12. stellvertretender Leiter der Regionalverwaltung ist. Seine Abschiedsworte waren kurz und herzlich – wie tief die Verbundenheit zwischen den Menschen im Dekanat und Döll war, machte im Anschluss der stehende Applaus der Versammlung mehr als deutlich. Und da die Zeit für Abschiede gekommen war, nutzten die DSV-Mitglieder die Sitzung, um allen Synodalen für alles Mitreden und Mitdenken zu danken. Ein Holzkreuz, das in vielen Lebenslagen Begleiter sein kann, erhielten die Ehrenamtlichen als Geschenk – es soll nicht nur an das Dekanat Alsfeld erinnern, sondern kann auch zum Gebet zur Hand genommen werden. Ebenfalls überraschend, doch gut vorbereitet, fiel ein weiterer Abschied aus: Pfarrer Thomas Harsch, stellvertretender Dekan, überreichte ein Buch voller Fotos aus dem nun bald alten Dekanat Alsfeld an Dekan Dr. Sauer, der nach der Fusion zwar noch einige Monate im Amt bleibt, aber Mitte nächsten Jahres in den Ruhestand gehen wird. Sichtlich bewegt nahm dieser sein Geschenk entgegen.



Und auch er hatte noch eine Überraschung für die Synode vorbereitet: Er blickte anhand zahlreicher Fotos und Informationen ebenfalls zurück auf das Dekanat Alsfeld, das – nachdem bereits Mitte des 16. Jahrhunderts von einer „Superindententur Alsfeld“ die Rede war – als solches erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts erwähnt wurde. Dr. Sauer ließ Menschen und Ereignisse Revue passieren, er blickte auf Präsides und Dekane, auf Dekanatskirchentage, musikalische Highlights, die Einrichtung der Notfallseelsorge, großartige Projekte des Bereichs Bildung und Ökumene und vieles andere. Am Ende zeigte er sich zuversichtlich: „Wir nehmen einen großen Schatz mit in das neue Dekanat.“

Text und Bilder: Traudi Schlitt
30.10.2018