Im Kampf um mehr Gerechtigkeit

Die Situation von Frauen in Indien

Großes Interesse herrschte an der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung, die der Verein Weltladen Alsfeld e. V. zusammen mit dem evangelischen Dekanat Alsfeld organisiert hatte: Dorothea Simpfendörfer vom Weltladen-Team konnte ca. 50 Besucher begrüßen, die sich im Rahmen der Vogelsberger Frauenwochen über die Situation der Frauen in Indien informieren wollten.
Hierzu hatten die Organisatoren zunächst Sybille Franck vom Verein „Deutsch-Indische Zusammenarbeit e. V. (DIZ)“ aus Frankfurt als Referentin eingeladen. Der Verein besteht seit 1996  und hatte zunächst  das Ziel, gemeinsam mit indischen Projektpartnern die Lebensbedingungen in den Slums der Stadt Nagpur und den umliegenden Dörfern zu verbessern. Mittlerweile gibt es 30 indische Partnerorganisationen, die mit der DIZ kooperieren und das Zielgebiet hat sich deutlich ausgeweitet. Wichtige Arbeitsgebiete sind die Mutter-Kind-Gesundheit, die Ausbildung von Hebammen, Dorfgesundheitshelferinnen und Krankenschwestern, Näherinnen und im Handwerk, die Beratung von Frauen bei häuslicher Gewalt, die Aufklärung über eine nachhaltige Landwirtschaft sowie die Bekämpfung von Lepra und Tuberkulose. Eine weitere wichtige Säule der DIZ-Arbeit ist der Austausch (Freiwilligendienste, Studienreisen und Workcamps).  Hierbei ist der DIZ ein Anliegen, dass der interkulturelle Austausch nicht nur als Einbahnstraße in Nord-Süd-Richtung, sondern auch umgekehrt praktiziert wird.
Die zweite Referentin des Abends war die „Süd-Nord-Freiwillige“ Anitha Andrews, die am ev. Dekanat Alsfeld sowie an der Albert-Schweitzer-Schule Alsfeld tätig ist. Sie stammt aus dem indischen Kerala und konnte in ihrem Vortrag sehr gut die Situation der Frauen in Indien darstellen.
Große Probleme gibt es in Indien immer noch bezüglich der hohen Mütter- und Kindersterblichkeit. Töchter haben in den Familien häufig einen geringeren Stellenwert als Söhne, was in den aufwändigen Hochzeiten und teuren Mitgiften begründet ist, für die die Familie der Braut aufkommen muss und häufig dazu führt, dass der Finanzrahmen existenzbedrohlich überzogen wird. Das führt im Extremfall manchmal sogar dazu, dass weibliche Föten abgetrieben bzw. weibliche Säuglinge getötet werden. Zusätzlich ist die Situation der verheirateten Frauen oft schwierig: Sie müssen in der Familie des Ehemannes leben und sind für die Versorgung des Gatten und der Schwiegereltern zuständig. Auch bzgl. Bildung und Ausbildung sind die Mädchen oft benachteiligt. Viele müssen schon relativ jung zum Familieneinkommen beitragen und sich als Haushaltshelferin oder Hilfskraft in der Landwirtschaft verdingen. Heiraten mit 14 oder 15 Jahren sind keine Seltenheit, obwohl offiziell ein Mindestalter von 18 Jahren gilt. In der Öffentlichkeit kommt es häufig zu Belästigungen von Frauen und Mädchen, insbesondere in den Abendstunden nach 18 Uhr. Auch Vergewaltigungen sind relativ häufig.
Die anschließende Diskussion machte deutlich, dass die Situation der Frauen in Indien sehr unterschiedlich, aber gerade in den ländlichen Gebieten noch sehr schwierig ist. Bei der Verbesserung der Situation der Mädchen und Frauen wurde den Vätern eine sehr wichtige Rolle zugewiesen.
In ihrem Schlusswort betonte Dorothea Simpfendörfer die Bedeutung des fairen Handels für die Verbesserung der Situation der Frauen in Indien. Im Weltladen in der Alsfelder Untergasse ist ein Schaufenster mit entsprechenden Produkten dekoriert worden.

Von Dr. Bernhard Geiß
26.04.2018
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