Mit "Mensch Martin" gutgelaunt in die nächsten 500 Jahre starten

Uraufführung des Musicals von Henner Eurich begeistert 500 Zuschauer in der Felda-Halle – Weitere Aufführungen am 3. und 12.11.

Mit Spannung erwartet und frenetisch gefeiert: Die Premiere von „Mensch Martin“. Das Musical zum Lutherjahr von Pfarrer Henner Eurich wurde nach vielen Wochen der intensiven Proben von dreißig Jungen und Mädchen des Dekanats gemeinsam mit der Moment-mal-Band und unterstützt von Anna Schüßler im Rahmen der Dekanatskirchenmusikmesse am vergangenen Sonntag uraufgeführt, und mehr als 500 Gäste in der Felda-Halle waren gekommen, um zu sehen, was der musikbegeisterte Pfarrer und seine Crew sich wieder hatten einfallen lassen.
„Das Musical erzählt die Geschichte Martin Luthers in einigen Stationen“, beschrieb der Komponist und Autor sein Werk zu Beginn der Aufführung, und fasste so kurz und knapp in Worte, was sich hinter zwölf unglaublich abwechslungsreichen Liedern verbarg, die viele Musikrichtungen abdeckten und das Leben des Reformators für alle verständlich nacherzählten – und das vermutlich so witzig, gutgelaunt und trotzdem passend, wie man das Leben Luthers vielleicht noch nie betrachtet hat. Die Bühne war sparsam dekoriert, die jungen Akteure trugen keine Kostüme: Der Fokus lag eindeutig auf den Liedern, die mit wenigen gesprochenen Erläuterungen vorgetragen wurden. Das titelgebende Stück „Mensch Martin“ eröffnete das Musical. Es präsentierte Martin als „einen von uns“, der der kleine Mönch vielleicht einmal war, genauso wie „einen von den Großen“, der der Reformator ja zweifellos geworden ist. Ein fetziges Stück, das die insgesamt sehr rockige Note des Musicals unterstrich und auch die musikalische Freude der Band eindrücklich präsentierte. Die vier Musiker und die Sängerin hatten ganz offenkundig Spaß daran, mit den Kindern zu singen und spielen, und auch den jungen Künstlern war von Anfang an ihre Freude förmlich anzusehen.

Mit dem nächsten Stück griffen die Kinder die Angst auf, die die Menschen im Mittelalter umgetrieben haben könnte: „Die Angst geht um“ - vor dem Teufel, der Pest, dem Tod, der Strafe Gottes – und dem Gewitter. Letzteres ängstige besonders den jungen Martin Luther, der angesichts eines starken Unwetters bekanntlich seinen Schwur leistete, Mönch zu werden.
Viele Kinder schlüpften im Lauf des Musicals in die Rolle von Martin – eine Basecap zeigte an, wer gerade den Reformator spielte; eine gute stilistische Idee, die sowohl bei den Kindern als auch bei den Gästen sehr gut ankam. Mit dem Lied „Gloria in excelsis Deo“ wurde aus Martin ein Mönch, der die Liebe Gottes kennenlernte und nach vielen inneren Kämpfen und noch mehr Überlegungen und durch das Studium der Bibel zu der Erkenntnis kam, dass die Menschen von aller Not allein durch Gnade, durch Glaube und durch Liebe gerettet werden können: „Gott liebt uns, auch wenn wir Fehler machen!“ Nach dem mitreißenden Stück „Allein durch Gnade“ fiel es dem Publikum sichtlich schwer, dem Wunsch des Pfarrers nachzukommen und sich den Applaus für das Ende des Musicals aufzuheben. Was hier noch mühsam gelang, brach sich nach dem nächsten Stück Bahn. Der Pfarrer selbst brillierte in einer so guten Ablass-Verkaufs-Show als Ablassprediger Tetzel, der weder vor den abgedroschensten Werbephrasen noch vor dem Einsatz von Cheerleaderinnen zurückschreckte, damit die Menschen ihm jede Menge Geld für die Erlösung zahlen würden. Und das machte er so gut, dass wahrscheinlich der eine oder andere kurz davor stand, ihm ein paar Ablassscheine abzukaufen.

Tosender Zwischenapplaus in der Felda-Halle war da gerade das Mindeste. Gut, dass Martin Luther rechtzeitig die 95 Thesen an das Tor der Wittenberger Kirche schlug und den Menschen die Augen dafür öffnete, dass Gottes Liebe sie freimacht von Schuld und damit frei von Ablass. Die Strafe folgte auf dem Fuß, wie man weiß: Papst und Kaiser taten sich zusammen, um Luther zum Widerrufen zu zwingen – sahen beide doch ihre Felle davonschwimmen, sollten die Menschen ihre Freiheit und Mündigkeit entdecken. „Revoco“ greift die Verhandlung am Wormser Reichstag auf, bedrohlich die Mächtigen, ängstlich, doch entschlossen, der Reformator, der damals noch gar nicht wusste, was er alles bewirkt: „Ich kann nicht anders.“ Um Gefahr von ihm abzuwenden, entführten seinen Freunde ihn auf die Wartburg, wo er die Zeit nutzte, um die Bibel zu übersetzen, denn nicht nur „die Schlauen und die Gelehrten“ sollte darin lesen, sondern alle Menschen das Wort Gottes verstehen und die Kirchen wieder voll werden. Auch dieses Stück riss in seinem rockigen Rhythmus die Menschen in der Halle mit, die dieser neuen, witzigen und sehr liebevollen Sicht auf den Reformator nur zu gerne folgten. Auch in die dunklen Tage blickte das Musical, als sich herausstellte, dass die Ideen Martin Luthers nicht nur zu einem Umdenken geführt hatten, sondern auch zum Handeln führten: Die Bauern reklamierten die von Luther beschriebene Freiheit für sich und kämpften blutig und verlustreich gegen die Obrigkeit. Ein verzweifelter Martin Luther findet Trost in der Liebe zur ehemaligen Nonne Katharina von Bora – Zeit für eine kleine Ballade in dem Musical, eine Reminiszenz an die „Lutherin“.

„Und dann hat Martin ein richtig fetziges Lied geschrieben“, kündigte eines der Kinder an was folgte, war die wohl rockigste Interpretation von „Ein feste Burg ist unser Gott“, die man je gehört hat und dem Original doch recht nah kommen soll. 1546, im Alter von 62 Jahren verstarb der Reformator. Auch seine letzten Worte hat Pfarrer Henner Eurich vertont: „Wir sind alle Bettler“ sangen die Kinder ganz bewegt und bewegend, fast am Ende ihres Musicals angekommen. Dieses allerdings schlossen sie noch einmal voller Rhythmus und guter Stimmung, schließlich hat Martin, den die Kinder während der langen Vorbereitung ganz offenbar als guten Freund kennengelernt haben, die Menschen mit seinem Wirken hoffnungsvoll und stark gemacht. „Allein durch Gnade“ erklang es noch einmal durch die Felda-Halle und dem begeisterten Publikum, das mit dem letzten Ton applaudierend vor den Künstlern stand, war klar: So kommt Martin auch durch die nächsten 500 Jahre!

Noch zwei Aufführungen des Musicals „Mensch Martin“ sind geplant: Am kommenden Freitag, dem 3.11., ist es um 17 Uhr in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule in der Schillerstraße zu sehen und am Sonntag, dem 12.11., um 16 Uhr in der Mehrzweckhalle in Leusel. Der Eintritt ist frei.

Text und Bilder von Traudi Schlitt
03.11.2017
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