„Nicht nur Programmiersprachen, sondern auch Orientierungswissen lernen“

Parlamentarischer Abend in Mainz zu Digitalisierung und Demokratie

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung hat dazu aufgerufen, sich stärker mit den Folgen der zunehmenden Digitalisierung auseinanderzusetzen. „Wir sind mitten in einer epochalen Veränderung, sie ist nicht mehr rückgängig zu machen“, sagte Jung am Mittwochabend (24. Januar) beim Parlamentarischen Abend der evangelischen Kirchen und der rheinland-pfälzischen Landesregierung in Mainz, der sich die Frage nach der Digitalisierung und den Folgen für die Demokratie gestellt hatte. Die Auswirkungen auf die Medienlandschaft, den Arbeitsmarkt, die medizinischen Forschung oder politische Strukturen seien „epochal“, so der Kirchenpräsident.

Digitalisierung gestalten
Als Beispiele nannte Jung in seinem Impulsvortrag die Bedeutung von Fake News in der politischen Debatte oder die Gefahr zunehmender Arbeitslosigkeit durch den technischen Fortschritt. Zugleich wies er aber auch auf die positiven Möglichkeiten einer nützlichen Kommunikation und einer größeren Teilhabe an Diskussions- und Entscheidungsprozessen hin. Wichtig sei eine „pragmatische Herangehensweise“ an das Thema Digitalisierung. Sie solle sich an dem orientieren, „was das Leben freier, sozialer und gerechter macht, um die Transformation zu gestalten“.

Demokratie weiterentwickeln
Kirchenpräsident Jung sieht dabei alle gesellschaftlichen Institutionen herausgefordert. So sei etwa die Politik gefragt, für eine Bildung zu sorgen, „in der nicht nur Programmiersprachen gelernt werden, sondern auch ethisches Orientierungswissen auf dem Lehrplan steht, um das technisch Machbare bewerten zu können, ob es menschlich und lebensdienlich ist“. Zugleich müsse die Demokratie selbst in ihren Entscheidungsprozessen mit den digitalen Möglichkeiten weiterentwickelt werden. Hierzu könnten neue Beteiligungsverfahren vor allem in regionalen Zusammenhängen dienen.

Politisch predigen
In ihrer Begrüßung würdigte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer das Engagement der Kirchen in der Gesellschaft. Sie verteidigte sie auch gegen Vorwürfe, zu politisch zu agieren. „Wer von Gerechtigkeit spricht, kann zu Ungerechtigkeit nicht schweigen“, sagte sie. Zugleich hoffe sie auf eine weitere Annäherung von evangelischer und katholischer Kirche. Nach 500 Jahren Reformation könnten sich beide Konfessionen stärker aufeinander zu bewegen. Sie erhoffe auch deutliche Fortschritte beim gemeinsamen Abendmahl.

Hintergrund
An der alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltung nahmen unter anderem die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die Vizepräsidentin des rheinland-pfälzischen Landtages, Barbara Schleicher-Rothmund, sowie zahlreiche Kabinettsmitglieder und Mitglieder des Landtages teil. Von der evangelischen Kirche waren in Mainz unter anderem der rheinische Präses Manfred Rekowski sowie der stellvertretende pfälzische Kirchenpräsident Michael Gärtner zu Gast.




Presseinformation der EKHN / Darmstadt, 25.1.2018
Fotos: EKHN
Eingestellt von Traudi Schlitt

30.01.2018