Opa. Vater. Du. Krieg und Frieden

GPD 55+ startet mit Gesprächsreihe für Männer

Die Route 66 in den USA ist ja so eine Sehnsuchtsstraße. Ein langer Weg, der die Reisenden von Chicago quer durch die USA nach Los Angeles bringt, vorbei an wunderschöner Landschaft, durch die Weite, das Nichts zuweilen, aber auch zu Menschen und Mentalitäten, die man vorher nicht kannte. Freiheit erleben, in Bewegung sein, Schönheit genießen, Unbekanntes entdecken.  All das erhoffen sich die Dekanate Alsfeld und Vogelsberg von ihrem neu gestarteten Projekt mit dem Team von  „Route 55+ - weiter im Leben.“
Dabei steht 55plus für die Zielgruppe „Drittes Lebensalter“: wenn die Familienphase ausläuft, aber der Ruhestand noch fern ist oder gerade erst begonnen hat. Das Projekt der Evangelischen Erwachsenenbildung der EKHN und der EKKW  startete bereits im September 2017, und wird nun immer weiter mit Leben gefüllt. So gibt es seit Februar dieses Jahres eine Projektstelle für "Innovative Arbeit mit jungen Seniorinnen und Senioren", die sich in den Dekanaten Franziska Wallenta und Holger Schäddel teilen. Schäddel, Sozialarbeiter (MA) und evangelischer Diakon, lud kürzlich zum Start der Themenreihe „Opa. Vater. Du. Krieg und Frieden“ in das Ev. Gemeindezentrum nach Groß-Felda ein.

Angesprochen waren hier nur Männer, die zwischen ca. 55 und 75 Jahre alt sind, und die Resonanz war erstaunlich gut. Fünfzehn Männer aus Groß-Felda und den umliegenden Gemeinden waren gekommen und sicherlich auch zunächst gespannt, was der Abend bringen würde. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und einer Einführung durch Holger Schäddel hatte nun jeder der Anwesenden die Möglichkeit, aus seiner Erfahrung und seiner Sicht zum o.g. Thema zu berichten. Es war eine Erinnerungsreise. War der Opa und/oder Vater im Krieg? Wie erlebte er ihn? Wurde darüber zu Hause gesprochen? Wie erlebte er den Frieden? Fragen über Fragen, die von jedem Teilnehmer natürlich sehr unterschiedlich wahrgenommen wurden. Einige wenige Aussagen zogen sich dabei wie ein roter Vater durch die Gesprächsrunde, wie z.B.  „Ich will noch mal, an den Ort wo ich im Krieg war“ und „Es wurde zu Hause oft nur sehr wenig über das im Krieg Erlebte gesprochen“ Wenn überhaupt, dann waren es oft nur die schönen Seiten des Erlebten. Auch das Thema Frieden kam in der Gesprächsrunde natürlich vor, und man war der Meinung, dass man für die 70 Jahre Frieden in unserem Land dankbar sein müsse. Heute ist der Krieg für die meisten weit weg und die Idee davon hat sich auch verändert. Aus der Geschichte habe man gelernt, dass es oft nur zufällige Ereignisse sein können, die zu einem Krieg führen könne. Die Angst davor ist auch sicherlich heute noch bei dem einen und anderen vorhanden.

Zum Ende des intensiven Austauschs vereinbarte Gruppe, dass man sich auf jeden Fall weiter treffen  wolle. Man habe einen Prozess angestoßen, der sicherlich noch lange nicht zu Ende gedacht ist. Die Gruppe aus Groß-Felda wird sich im Juni für einen knappen Tag zu einer Info-Fahrt in das sogenannte STALAG-Lager in Trutzhain bei Schwalmstadt erneut treffen. Weitere Zusammenkünfte, evtl. auch Exkursionen, sind vorgesehen. Diese Fahrt ist auch für weitere Teilnehmer, die neu dazu kommen wollen, jederzeit offen. Interessenten wenden sich an Holger.Schaeddel.dek.alsfeld@ekhn-net.de. Tag und Uhrzeit werden auf jeden Fall rechtzeitig bekanntgegeben.

Von Herbert Schott / Foto: Schott
26.04.2018