"Wandel ist Konstante in Verwaltungsaufgaben"

Verbandstag der Regionalverwaltung informiert über Doppik

Zum Schwerpunktthema "Einführung der Doppik" hatte die Regionalverwaltung Oberhessen für den 31. März 2017 zu einem Studiennachmittag in die Alsfelder Stadthalle eingeladen. Kirchenvorstände und Gemeindesekretärinnen und andere Verwaltungsfachleute kam so zahlreich, dass kein Stuhl frei blieb.  
Zur Einführung der Doppik genannten "Doppelten Buchführung in Konten" referierte Dr. Nima Sheikhian von der Firma Pricewaterhouse (PWC), der das Projekt in der EKHN koordiniert. Transparenz in den Finanzangelegenheiten und eine deutlich bessere Grundlage für Planungen nannte Sheikhian als wesentliche Gründ für die Einführung der kaufmännischen Buchführung. Insbesondere werde der Ressourcenverbrauch abgebildet, etwa der Wertverlust einer Immobilie oder eines Fahrzeugs. Da die Doppik entsprechende Rückstellungen für die Substanzerhaltung verlangt, leiste sie einen wichtigen Beitrag für die Generationengerechtigkeit.
Für die Einführung der Doppik sei zunächst eine Bestandsaufnahme der Vermögen und Schulden notwendig. So werden gerade in diesen Tagen alle kirchlichen Gebäude im Dekanat Alsfeld erfasst und in ihrem Wert bestimmt.

Offen blieb die zentrale Frage, welche Auswirkungen die Umstellung von Kameralistik auf Doppik für die einzelne Kirchengemeinden haben wird. Eine der großen Befürchtungen, die auch in Rückfragen des Publikums artikuliert wurde: durch die verpflichtende Rückstellung von Geldern könnten die letzten bisher freien Haushaltsmittel gebunden werden und die Handlungsfähigkeit der Kirchengemeinden verloren gehen.

Zu Einzelfällen konnte der Referent Nima Sheikhian natürlich wenig sagen. Er betonte um so mehr, dass die Einführung der Doppik an den Finanzen zunächst gar nichts ändere. Das neue Verfahren mache nur den realen Wertverlust transparent. "Diese Situation haben Sie heute schon genauso, nur sehen Sie das in der Kameralistik nicht."
Allerdings wurde deutlich, dass die Veränderung in der Buchführung weit mehr als eine Formsache sein wird. Sheikhian selbst sprach von "einem Paradigmenwechsel für die Verwaltung", der "tiefgreifende Veränderungen" nach sich ziehen wird.

Zur technischen Handhabung der Doppik gibt es ab Herbst Schulungen. In der ersten Stufe wird es ab Januar 2018 zunächst nochmal einen Schritt zurück ins analoge Zeitlater gehen: denn die Rechnungen, die Kirchengemeinden zu bezahlen haben, werden nicht mehr vor Ort elektronsich erfasst, sondern mit einem Aufkleber versehen per Post an die Regionalverwaltung geschickt. Erst nach etwa einem Jahr will man auch die elektronische Rechnungserfassung einfühen - dann sollen alle Gemeindebüros ihre Belege scannen.
Viele Details sind auch den Projektverantwortlichen im Moment noch nicht klar. So werde noch diskutiert, in welchem Umfang die erste Inventur stattfinden muss, ob etwa nur Inventar ab 5.000 Euro Anschaffungswert oder ob alles erfasst werden muss, vom Staubsauger bis zum Bleistift. Dass die Einführung der Doppik für alle Beteiligten eine große Herausforderung und kein Erholungsspaziergang wird, räumte Sheikhian unumwunden ein - und benannte auch die von der Kirchensynode dafür genehmigten Kosten, nämlich rund 20 Millionen Euro.  

Zur Eröffnung des Verbandstags berichtete zunächst Matthias Leschhorn als Vorsitzender aus der Arbeit der letzten Jahre. Größte Veränderung war die 2012 beschlossene und zum 1. Januar 2014 vollzogene Zusammenlegung der Regionalverwaltungen Alsfeld und Gießen zu einer gemeinsamen Regionalverwaltung Oberhessen, die zunächst beide Standorte behält und für sechs Dekanate zuständig ist: Grünberg, Hungen, Kirchberg, Vogelsberg, Alsfeld und Gießen. Bei der Vereinheitlichung der Organisation sei es nicht um die Frage gegangen, ob der bisherige Alsfelder oder Gießener Weg der bessere war, sondern wir man nun am effektivsten beide Verwaltungen zusammenführt. Dazu mussten sich auch die Mitarbeiter und die Mitglieder der Gremien neu finden und eine gemeinsame Kultur entwickeln. Leschhorn machte deutlich, dass weitere Veränderungen anstehen und brachte es auf die Formel: "Der Wandel ist eine Konstante in unseren Verwaltungsaufgaben". So wird seit diesem Jahr das Vertragswesen neu geordnet, Genehmigungsbefugnisse für Stellenerrichtungen und -änderungen sind von der Kirichenverwaltung in Darmstadt auf die Regionalverwaltung Oberhessen übergegangen, in verschiedenen Bereichen gibt es neue Software, die Vorgaben für Kindergärten ändern sich fortwährend und vieles mehr.
Im vergangenen Jahr hat die Regionalverwaltung eine Kunden- und eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt. Mit beiden Ergebnissen war der Vorstand sehr zufrieden.

10.04.2017
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