...unterwegs nach Surinam

Alsfelder Frauen feierten Weltgebetstag und stellten ein Land vor, das fast niemand kennt


Aus Südamerika, aus Surinam, kam in diesem Jahr der Weltgebetstag. Von dort aus ging er am vergangenen Freitag in 24 Stunden um die Welt und verband Millionen von Frauen in mehr als hundert Ländern für die Zeit eines Gottesdienstes, eines gemeinsamen Gebets und viel gemeinsamen Gesangs. Auch in Alsfeld hatte sich ein ökumenisches Frauenteam aufgemacht, einen Rahmen für einen lebendigen und sehr musikalischen Gottesdienst zu schaffen, den am Abend viele Menschen in der katholischen Christ-König-Kirche besuchten.

Doch wo genau liegt Surinam? Wer lebt dort und was gibt es dort überhaupt? Surinam, so erfuhren die Gottesdienstbesucherinnen zum Einstieg, liegt an der nördlichen Küste Südamerikas, zwischen Guyana und Französisch-Guyana. Halb so groß wie Deutschland, mit einer Regenwaldfläche von ca. 90% und mit nur 540.000 Einwohnern, ist es vielen Europäern eher unbekannt, obwohl es, wie im Verlauf des Gottesdienstes immer wieder deutlich wurde, ein Beispiel für ein gelungenes Zusammenspiel vieler Ethnien ist. 300 Jahre lang, bis 1975, war Surinam eine Kolonie der Niederlande, und nach einer wechselhaften Geschichte bevölkerte sich das Land mit Menschen aus vielen Ländern. Die indigenen Arawaks und die Maroons, Nachkommen versklavter Afrikaner, leben heute noch häufig in den Gebieten des Regenwaldes. Nach der Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1863, kamen Arbeitskräfte aus China, Indonesien und Indien. All diese Volksgruppen findet man auch heute noch in Surinam, dazu kamen Einwanderer aus den Niederlanden. Heute prägt das Land eine Vielfalt an Ethnien, Religionen, Sprachen und Kulturen, die in einem selbstverständlichen Klima von Toleranz nebeneinander bestehen.
Surinam erfreut sich einer großen Vielfalt an Flora und Fauna und verfügt über viele Bodenschätze, die zum einen einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellen, deren Abbau zum anderen aber auch mehr und mehr die Frage nach Natur- und Klimaschutz aufwirft. Bauxit, Öl und Gold werden hier gewonnen.

„Gottes Schöpfung ist sehr gut“ – wer über solche Reichtümer verfügt, darf sich ein solches Motiv für den Weltgebetstag selbstverständlich geben. Gleichzeitig kommt darin auch die Verantwortung für einen nachhaltigen Umgang mit der Schöpfung zum Ausdruck. Beides also, Dankbarkeit und Verantwortung wurden in den Gebeten und Fürbitten des Gottesdienstes immer wieder thematisiert. Neben dem ökologischen Gleichgewicht im Land ist auch das soziale Gleichgewicht in Gefahr: Die Schulpflicht geht nur bis zu einem Alter von 12 Jahren, Indigene und Maroons müssen häufig Zwangsumsiedlungen erleiden. Die Frauen aus Surinam wollen mit dem Weltgebetstag aus ihrem Land darauf aufmerksam machen und einen Beitrag zur Erhaltung der Natur und zur Verbesserung des Lebens in Surinam leisten. Stellvertretend für sie und ihre verschiedenen Biografien stellten das Alsfelder Team einige Surinamerinnen vor: Shanti, deren Vorfahren aus Indien kommen, Kartini mit indonesischen Wurzeln, Mei Ling, die aus China stammt, Muyinga aus Westafrika, Carolina, eine Creolin mit einem europäischen Vater und einer afrikanischen Mutter, und Willemien, die aus den Niederlanden in der ehemaligen Kolonie gelandet ist. Sie berichten von dem Leben als Frau, als Mutter, erzählen von ihren Bildungsmöglichkeiten und denen ihrer Kinder, von Perspektiven und Aufgaben.



In den Gottesdienst integriert war – dem Thema Gottes Schöpfung entsprechend – die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel, die gelesen und bildlich dargestellt wurde. Jede einzelne Sequenz aus dem Gottesdienst wurde musikalisch eingerahmt. Ein Trio an Gitarren und Cajón verströmte südamerikanisches Flair in der Kirche – mit ganz viel Rhythmus, tollen Stimmen und richtig viel Spaß an der lebendigen Musik, die ebenfalls aus Surinam stammte.
Auch das Gemälde zum Weltgebetstag wurde thematisiert: Eine stolze Creolin in einem leuchtenden Gewand schreitet vor anderen Frauen in eine große, selbstbewusste Zukunft. Hinter ihnen allen liegen leidvolle Geschichten, doch nach vorne blicken sie voller Kraft und Anmut.
In die Fürbitten und Gebete legten die Organisatorinnen und Besucherinnen des Gottesdienstes noch einmal alles, was sie bewegt und was am Ende auch alle Menschen der Erde vereint: Den verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur, Respekt vor jedem Menschen, ein Einstehen für das, was richtig und nötig ist, auch gegenüber den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft. Dabei ging es auch um die eigene Rolle: Selbst aktiv werden und Verantwortliche in die Pflicht nehmen.

Text und Bilder: Traudi Schlitt

05.03.2018