Vom Gemeindeschiff zur Dekanatsflotte


Aus dem Handbuch des Kirchenvorstandes (2011: Band 4)

“verorten und vernetzen”


Die Dekanatskantorei Alsfeld    

Mit Gründung des flächenmäßig größten Dekanates der EKHN durch die Fusion der beiden Altdekanate Alsfeld und Homberg bot sich die Möglichkeit, mit großer Unterstützung des neuen Dekanatssynodalvorstandes und mit Hilfe der Abteilung Kirchenmusik im Zentrum Verkündigung eine übergemeindliche Dekanatskantorei als junge, kreative und zukunftsweisende Arbeitsform auf die Beine zu stellen.

 

Das Konzept war so einfach wie wirkungsvoll: Zwei Kantoren bündeln ihre Erfahrungen und Musikalität und schlagen zunächst eine Brücke zu allen bereits existierenden kirchlichen Chören und interessierten Sängerinnen und Sängern. Mit äußerst reizvollen Chorprojekten sollten die Sängerinnen und Sänger nicht abgeworben werden, sondern in einem größeren Rahmen ihren „Horizont“ erweitern.

In Zusammenarbeit mit Dekan und Vorsitzenden des Dekanatssynodalvorstandes sowie dem Landeskirchenmusikdirektor gelang es, einen Rahmen abzustecken, der sowohl den beiden Kantoren Zeit und Gelder zur Verfügung stellte als auch den Sängern den nötigen Anreiz bot, sich auf solch ein Experiment einzulassen. Wie es sich dann herausstellte, waren Projekte in dieser Größenordnung wohl eher die Ausnahme gewesen. Das zeigte sich schon allein daran, dass es gar nicht so einfach war, die passenden Probenräume und Aufführungsorte zu finden. Hier mussten nicht nur Entfernungen überwunden werden, sondern unter Umständen ein ganzer Gedankenapparat über Bord geworfen werden.

Es war nicht mehr das „Schiff, das sich Gemeinde nennt“, sondern auf einmal eine ganz beachtliche „Flotte“ von nunmehr 24 Gemeinden mit insgesamt 28 Vokalchören, 65 Kirchen und rund 1200 regelmäßig singenden und musizierenden Chormitgliedern unterschiedlichster Interessen sowie zwei Kantoren, die auf diese Weise auch noch nicht zusammengearbeitet hatten. Hier galt es, Begeisterung und Verständnis zu wecken, um das zu tun, was im Nachhinein als äußerst gelungen bezeichnet werden kann. Geprobt wird nur einmal im Monat, im Wechsel zwischen Nieder-Ohmen und Alsfeld; beide Kantoren proben gleichzeitig. Die Sänger kommen aus allen Dekanatsteilen, bleiben aber ihren angestammten Chören treu oder finden wieder zum Singen. Aufgeführt werden die „Oratorien“  -  Werke, die etwas Einmaliges sind oder sogar Wegbegleiter für einen selbst werden.

 

In jährlicher Abfolge erklang seit 2005 der „Messias“, die „Krönungsmesse“, die „Johannes-Passion“ der „Elias“ und die „Schöpfung“. Durch die gelungene und bereichernde Zusammenarbeit zwischen den Kantoren, dem Dekanat, dem Landeskirchenmusikdirektor und den vielen Gliedern bis in die kleinsten Gemeinden entstand ein wohlgeformtes Ganzes, das zu dem beiträgt, was eine Kernaufgabe des evangelischen Dekanates überhaupt ist: die frohe Botschaft den Menschen in musikalischer Form zu verkünden.

 

                                                                                                                                                                        Simon Wahby

 

 

 

 

 

 



02.10.2012