Ein Buch gegen das Töten

Helmut Ortner: Über die Todesstrafe

Das "Buch vom Töten" von Helmut Ortner aus dem Jahr 2013 gibt einen Einblick in das weltweite staatliche Töten. Im Buch werden ganz unterschiedliche Punkte der gezielten, legalisierten Exekution aufgegriffen. Er schildert Fehler, die mit dem Todesakt einhergehen können, uns setzt sich mit der Idee des "humanen Tötens" und dessen Widernatürlichkeit auseinander. Besonders im Bezug auf die USA, dem einzigen „westlichen“ Land mit Bundesstaaten, die die Todesstrafe vollstrecken, werden viele zum Teil unbekannte Fälle geschildert. Durch das gute Zusammenfassen der einzelnen Schwerpunkte bekommt man, je mehr man liest, ein immer grässlicheres Bild der eigentlich nutz- und sinnlosen Todesstrafe.

Das Recht des Strafens behält sich jedes Land vor, doch die Meinung darüber, wie weit man dabei gehen kann ist zwiegespalten. Selbstverständlich kann man denken, dass es dem Übeltäter nur recht geschieht, wenn er auf den elektrischen Stuhl kommt – man bedenke dabei aber immer, dass dieser Rachegedanke nach nichts anderem als Vergeltung ruft, und faktisch verursacht die Todesstrafe nichts als Kosten, Widersprüchlichkeiten und die Gefahr, einen Unschuldigen irreversibel verurteilt und getötet zu haben.
Wer bislang geglaubt hat, nur die derzeit durchaus noch praktizierte Tötungsform der Steinigung wäre ekelhaft und schmerzbereitend, der irrt sich, wie Ortner zweifelsfrei belegt. Denn auch die gerne als human bezeichnete Form der Exekution durch die Giftspritze birgt Risiken, deren Folge das qualvolle Ersticken des Verurteilten ist; ähnlich dem Vergasen bei den Nazis oder auch in Amerika, wenn der Verurteilte nicht schnell genug eine große Menge des Giftgases einatmet.
Das Buch orientiert sich sprachlich an gängigen Sachbüchern, die nicht mit Fachbegriffen zu protzen versuchen. Einzig zu bemängeln sind die häufigen Zitate, die oft seitenfüllend vorliegen. Von Kapitel zu Kapitel werden in strukturierter und verständlicher Form verschiedene Tötungsarten vorgestellt, vom Erschießen bis hin zur Gaskammer, so dass am Ende eigentlich nur noch der Gedanke der totalen Ablehnung jeglicher staatlicher Exekution verbleibt, denn eine Rachejustiz passt nicht in unsere heutige, zivilisierte Welt.

(Philipp Rieg, 9. Klasse ASS)