Kirchen-PR: ehrlich, transparent und engagiert

Bloggen ist eine gute Ergänzung der zusammenfassenden Berichte

Öffentlichkeitsarbeit ist Kommunikation mit, für und in Öffentlichkeit. Nicht selten  muss das so nebulös bleiben. Wenn z.B. über kirchliche Arbeit an verschiedenen Stellen gesprochen wird, ohne dass man konkrete Gruppen ausmachen könnte, an die man sich mit weiteren Informationen, ggf. Korrekturen und Positionen wenden kann. Wie bei  meinem Bericht von der Sondersynode am 27. Juni 2014, der am folgenden Montag in unseren beiden Lokalzeitungen erschienen ist (online nur bei der OZ). Über den wurde an verschiedenen Stellen diskutiert.
Neben viel Interesse und (vor allem von Teilnehmern der Veranstaltung) Zustimmung gab es wohl auch Kritik: der Artikel sei stark gefärbt, trage eine interne Konfrontation in die Öffentlichkeit und schade damit "der Kirche". Dazu einige Erläuterungen:

- Der in den beiden Alsfelder Zeitungen veröffentlichte Bericht gibt korrekt wieder, was die Synodaltagung ausgemacht hat: eine lebhafte Debatte, die z.T. heftig verlief, aber in jedem Fall Ergebnisse erbracht hat, - vielleicht auch unerwartete.

- Daran ist überhaupt nichts gefärbt, verzerrt o.ä. Man kann dies auch dem Protokoll entnehmen, und der Dekan, der ja nun bekanntermaßen zu meinen besonders kritischen Lesern gehört, fand den Artikel "sehr fair".

- Es gab (und gibt) Konflikte. Über diese aus einer öffentlichen Tagung unseres wichtigsten Organs auf Dekanatsebene zu berichten ist ohne Wenn und Aber die Pflicht der Öffentlichkeitsarbeit. Alles andere wäre nicht wahrheitsgemäß (und wem sollte das dienen?).

- Bei der Tagung in Nieder-Gemünden war außer geladenen Gästen niemand "von außen" anwesend. Obwohl öffentlich getagt wurde, hat sich wie fast immer niemand  (bis auf eine Kollegin aus der Öffentlichkeitsarbeit) so sehr für die Dekanatssynode interessiert, dass es zur physischen Anwesenheit gereicht hätte. Jeder einzelne mag dafür immer gute Gründe haben - in der Summe aber bleibt: null Interesse an vier Stunden Sitzung.

- Das ist nicht überraschend! Deshalb erkläre ich schon lange, dass ein Video-Live-Stream von einer Synode im Internet kein Angebot für Transparenz ist. Theoretisch könnte man dann zuschauen, praktisch würde es niemand tun. Ich habe das selbst mehrfach bei anderen Synoden versucht - und es nicht durchgehalten. Ich setzte mich nicht stundenlang vor einen Bildschirm und folge dem mitunter sehr langwierigen Ablauf einer Synodaltagung.

- Die Alternative ist Live-Blogging (oder Micro-Blogging). Kurze, natürlich bewusst ausgewählte Häppchen aus der Synode, die Stimmung und Diskussionsverlauf wiedergeben, ggf. exemplarisch. Das kommt an, das interessiert, genau deshalb waren meine bisherigen Blogging-Aktionen von der Kirchensynode so erfolgreich.

- Kritik gibt es wohl vor allem daran, dass ich von einem "Schlagabtausch" zwischen Propst und einem ehrenamtlichen Synodalen gesprochen habe. Nun, das ist eben die Verdichtung, wenn man nur wenige Zeilen Platz in der Zeitung hat. Von diesem "Schlagabtausch" hätte ich als Blogger vermutlich ungefähr sieben einzelne Zitat-Posts gebracht: drei aus der langen, inhaltsstarken Rede des ehrenamtlichen Synodalen, dann ein bis zwei aus der Erwiderung des Propstes, danach auf alle Fälle die Intervention eines anderen Synodalen ("Wäre es unserem Propst möglich .... zurückzunehmen") und dessen Reaktion darauf. Das hätte natürlich den Verlauf der Debatte viel besser wiedergegeben, und jeder hätte sich seinen eigenen Reim darauf machen können (ich habe verschiedene Interpretationen zu diesem Disput vernommen, wenngleich eine Richtung sehr deutlich überwiegt).

In einem Artikel, der die gesamte Synodaltagung zusammenfassen soll, passt das dann leider nicht rein. 

- Wer also genauer informiert sein möchte, der sollte an den Tagungen der Dekanatssynode teilnehmen. Und wer auch noch andere informieren möchte, der sollte direkt von der Tagung bloggen. Denn ich kann das da nicht auch noch machen (weil ich einige andere Aufgaben bei diesen Dekanatssynoden habe).

- Die Dekanatssynode hat sehr deutlich gefordert (mit 2/3 Mehrheit), dass ich künftig wieder von den Tagungen der Kirchensynode in Frankfurt bloggen soll. Dort muss ich keine Fotos machen und keine Presseartikel schreiben (das erledigen dort andere) - so kann ich mich voll auf die Live-Situation konzentrieren. Aus der Gesamtschau der Veröffentlichungen sollte dann jeder Interessierte ein sehr genaues Bild vom Geschehen bekommen. Genauer geht es dann nur noch durch Teilnahme auf der Zuschauertribüne, drei oder vier Tage lang. (Tg)

03.07.2014