FAQ zur Live-Berichterstattung von der Kirchensynode

Seit 2012 bloggt der Redakteur von Alsfeld-evangelisch.de von den Tagungen der Kirchensynode - soweit möglich. Dazu gab es immer wieder Fragen und Statemets - die hier gesammelt und beantwortet werden. Keine der folgenden Frage, kein Statement ist ausgedacht - sie sind alle so (zum Teil sehr häufig) vorgebracht worden:

Was ist Synodenblogging?
Als Blog wird eine Website bezeichnet, auf der mit einer speziellen Software Texte und Dateien im Internet veröffentlicht werden. Die alte, von den meisten  Bloggern abgelehnte Übersetzung war: "Internet-Tagebuch".
Blogs werden immer individuell von ihren Autoren geprägt (meist nur ein Autor pro Blog), sind also subjektiv, entwickeln einen erkennbaren Charakter und werden von den Meinungen der Autoren  geprägt, die oft lange und hitzige Diskussionen auslösen (wozu fast alle Blogs eine Kommentarfunktion anbieten, die auch anonym bzw. pseudonym genutzt werden kann). Seit einigen Jahren betreiben selbst große Zeitungen oder Magazine eigenständige Blogs, in denen sich einzelne Redakteure oder freie Autoren (z.T. im Gewand fiktiver Rollen) meinungsstark und provokativ äußern.
Das öffentliche Posten mit Diensten wie Facebook wird Microblogging genannt. Micro, weil hier keine langen Artikel erscheinen, sondern viele Kurzeinträge, manchmal nur ein Satz oder sogar nur ein Teil davon, ein Bild, ein Cartoon..
Mit dem Synodenblogging wird nun diese Art der Kommunikation zur Arbeit des EKHN-Kirchenparlaments angeboten. Dabei wird über den Verlauf einer Synodentagung in vielen kleinen Beiträgen berichtet, mal als Zusammenfassung, mal als Zitat eines Redebeitrags, mal mit (Rand-)Beobachtungen... So entstehen über drei bis vier Tage mehrere Hundert kleine Beiträge, die jeweils (nur) Momentaufnahmen sind. Ein Beispiel aus dem Jahr 2013 finden Sie hier als pdf

Wozu muss live aus der Kirchensynode berichtet werden? Ist es nicht ausreichend - und sogar gehaltvoller - nur die Ergebnisse zu präsentieren?
Beides ist wichtig: die Ergebnisse (Beschlüsse, Gesetze) und die Debatte, die jeweils dahin geführt hat. Deshalb sitzen in allen Parlamenten Korrespondenten, die über Entscheidungsprozesse berichten. Dies ist nicht nur hilfreich, um die Ergebnisse überhaupt zu verstehen (denn aus Gesetzestexten geht das meist nicht hervor, entsprechend wird bei allen Gerichtsentscheidungen die Entstehung von Gesetzen berücksichtigt!), es ist auch notwendig, um die in Abstimmungen unterlegenen Meinungen transparent zu machen. Da Parlamente stets nur stellvertretend für diejenigen handeln, die sie mandatiert haben (Wähler, Delegiertenversammlungen), ist es die Aufgabe des Journalismus, für Transparenz zu sorgen. (Siehe hierzu auch Prof. Buchstein)
Eine ausführliche Begründung gibt es im Magazin.

Warum ist es Aufgabe eines Dekanats-Referenten für Öffentlichkeitsarbeit, über ein landeskirchliches Gremium zu berichten?
Weil die Themen auch unsere Region betreffen, weil auch hier diskutiert werden soll - und weil wir doch wohl nur deswegen auch mit viel Aufwand Abgeordnete entsenden. Im übrigen muss die Frage fürs Evangelische Dekanat Alsfeld nicht theoretisch erörtert werden: Am 27. Juni 2014 hat die dortige Dekanatssynode mit Zweidrittel-Mehrheit gefordert, genau diese Art der Live-Berichterstattung fortzusetzen. Bloggen ist keine Form der Verlautbarung (siehe oben) und erfordert daher viel Freiheit bzw. Unabhängigkeit - und ist damit eine Form, die sich gerade für Autoren anbietet, die nicht durch strukturelle Einbindung gehandicapt sind.
Auf Landeskirchenebene wird journalistisch mit anderen Gewichtungen berichtet: vom Evangelischen Pressedienst (epd),  von der Evangelischen Sonntagszeitung (esz) sowie für den Rundfunk und andere Abnehmer vom Evangelischen Medienhaus. Alle bedienen andere Zielgruppen als das Magazin-Blogging (der epd beliefert Redaktionen, die dessen Meldungen beliebig weiterbearbeiten, die esz hat einen anderen Leserkreis als das Magazin Alsfeld-evangelisch). Eine ausführliche Beschreibung finden Sie im Fachbeitrag: "Von der Freiheit evangelischer Publizistik auf Dekanatsebene"

Ist der Arbeitsaufwand gerechtfertigt? Vier Tage Synode sind 40 Arbeitsstunden sind bei Halbtagsbeschäftigung zwei Wochen bezahlte Arbeitszeit.
Und die Mitgliedschaft auch nur eines Synodalen aus unserem Dekanat in der Kirchensynode (wir haben dort derzeit noch drei Vertreter, ab 2016 nur noch zwei) erfordert mit Ausschusssitzungen, Korrespondenzen und Materialstudien mindestens 200 Stunden pro Jahr. Rechnen wir nur die Arbeitszeit der Berufsabgeordneten (Pfarrer - andere kirchliche Berufe dürfen nicht Mitglied in der Kirchensynode sein), kommen wir auf mindestens 10.000 Stunden bzw. 210 Wochen bezahlte Synodentätigkeit - oder 4,5 Vollzeitpfarrstellen. Der Personalaufwand für die Kirchensynode insgesamt (also mit KSV, Kirchenverwaltung, Kirchenleitung etc.) ist natürlich noch deutlich größer.
Dagegen ist der journalistische Aufwand eher bescheiden. Und für wen, wenn nicht für die Öffentlichkeit bzw. die Kirchenmitglieder sollte die Kirchensynode (öffentlich) beraten?

Lohnt sich der Aufwand?
In unserem Dekanat beziehen viele ihr kirchenpolitisches Wissen auch aus dem Synodenblogging (sowie den zusammenfassenden und kommentierenden Artikeln). Deshalb wurde ja die Fortführung gefordert (siehe oben). Dass auch aus anderen Dekanaten und Landeskirchen Leser zum Synodenblogging gefunden haben, ist erfreulich und letztlich nichts anderes als Ausdruck der Informationsvielfalt innerhalb evangelischer Kirche.   
Wenn es auch nicht Ziel des selbstinitiierten Bloggings war, Aufmerksamkeit auf Landeskirchenebene zu wecken, so haben doch viele Reaktionen (und auch, das muss man so deutlich sagen: Interventionsversuche) zur Diskussion um Öffentlichkeitsarbeit, Transparenz, innerkirchliche Demokratie und die Arbeit der Kirchensynode beigetragen.
Es ist aber auch klar: Blogging aus der Kirchensynode bleibt ein Nischenprodukt, es wird immer nur einen ganz kleinen Teil der Kirchenmitglieder interessieren. Dies korrespondiert unmittelbar mit dem Interesse an der Kirchensynode insgesamt.

Wer ist die Zielgruppe?
Der Blog wird geschrieben für interessierte ehrenamtliche Kirchenmitarbeiter bzw. Kirchenmitglieder. An dieser Zielgruppe orientiert sich, was an Wissen vorausgesetzt werden kann und welche Themen bearbeitet werden. Dass sich darüberhinaus auch beruflich bei Kirche beschäftigte für die Live-Berichterstattung interessieren, ist erfreulich. Es wird im Blog aber bewusst keine Wir-als-Beschäftigte-Perspektive eingenommen. Dies müssten ggf. andere Autoren übernehmen, etwa von der Mitarbeitervertretung, vom Pfarrerausschuss etc.

Sind alle Zitate korrekt?
Nein. Wir weisen immer wieder darauf hin, dass wir im Zuge der Live-Berichterstattung nach bestem Wissen und Gewissen inhaltlich korrekt wiedergeben. Dies geschieht oft in Direkterrede. Dabei kann es leichte Abweichungen vom Wortprotokoll geben, das etwa ein halbes Jahr später vorliegt. Bisher haben sich dann alle "Zitate" als inhaltlich richtig herausgestellt.

Die Blogbeiträge sind oft persönlich gefärbt und nicht objektiv, sie geben nur die persönliche Meinung des Autors wieder.
So wie jeder Redebeitrag in der Kirchensynode auch nur die Meinung des Redners wiedergibt, der sich damit sogar ohne schlechtes Gewissen in Widerspruch zur Beschlusslage seiner Dekantssynode bringen darf. Denn er ist an Weisungen nicht gebunden.
Es ist keine journalistische Spielerei oder Selbstdarstellung (auch diesen Vorwurf gab es mehrfach!), Synodenvorgänge zu kommentieren. Es ist die Grundaufgabe des Journalismus! Die Qualität lässt sich nicht an Jubel oder Kritik messen, sondern ausschließlich daran, wie gut die Kommentierung, der Einwurf, die neu aufgebrachte Frage begründet wird.
Nach diesem Kriterium hat es sicherlich auch schlechte Blogbeiträge gegeben (die jetzt gar nicht mit Zeitknappheit, Stress oder ähnlichem entschuldigt werden sollen). Aber: das Synodenblogging über Facebook bietet die Möglichkeit, jederzeit eigene Meinungen einzubringen, auf Fehler hinzuweisen, auf andere Berichte oder Kommentare zu verweisen. Das Synodenblogging auf der Facebookseite des Magazins Alsfeld-evangelisch.de ist nur ein Angebot (unter - theoretisch - beliebig vielen).  

Mit dem zeitnahen Kommentieren auf Facebook wird Einfluss auf die Arbeit der Kirchensynode genommen!
Nur, sofern Synodale den Blog lesen - und das entscheiden sie selbst (und die meisten werden weder Zeit noch Lust dazu haben). Wenn dies geschieht, ist daran aber nichts Verwerfliches zu erkennen. Denn über die Arbeit der Kirchensynode wird ja ohnehin diskutiert - meist nur ohne Kenntnis des synodalen Geschehens, und ohne, dass die Synodalen unmittelbar davon erfahren können. Die Live-Berichterstattung ist ein kleiner Beitrag dazu, mehr Einblick in die Arbeit der Kirchensynode zu geben und damit mehr Fakten für die Diskussion zur Verfügung zu stellen (nämlich kurze Wiedergaben einzelner Debattenbeiträge, die man sonst ausführlich erst ein halbes Jahr später im Wortprotokoll nachlesen kann, wenn man denn Zugang dazu hat).
Natürlich kann man (User-)Kommentare auf Facebook (oder Twitter, da ist u.a. der Pressesprecher der EKHN, Volker Rahn, zu Synodenzeiten aktiv) als Zwischenrufe verstehen. Aber sie erfolgen eben nicht - unerlaubt - innerhalb der Synode, sondern außerhalb.
Während der Tagungen der Kirchensynode gibt es regelmäßig Demonstrationen vor dem Gebäude. Auch das haben schon manche Synodale als störend empfunden. Letztlich zeigt sich an solchen Stellen nur, dass noch nicht genügend (öffentlich) mit allen Interessierten bzw. sogar Betroffenen diskutiert worden ist.

In der Vergangenheit hat sich mancher Blog-Beitrag despektierlich über Synodale geäußert.
Soweit dies die Posts des Magazins Alsfeld-evangelisch.de betreffen sollte, war es nie beabsichtigt - und es gibt nach ausführlicher nachträglicher Prüfung auch keinen Fall, der die Grenze zulässiger Kommentierung überschritten hätte - da war im Gegenteil noch viel Luft nach oben. Natürlich gab es manche Flapsigkeit, aber stets nur bei solchen Protagonisten, denen man dies zuzumuten für angebracht hielt - weil sie selbst entsprechend deutliche Worte in der Synode finden, Späße machen oder mit spannenden Beiträgen in Erscheinung treten. In Gesprächen nach der Tagung vom November 2013 wurde deutlich, dass es bislang noch ungewohnt ist, wenn das Synodengeschehen unmittelbar journalistisch begleitet wird und das Kirchenparlament nicht mehr "unter sich" ist.
Dazu ein Beispiel vom November 2013, Eintrag Nr. 27 lautete: "Aussprache, Pfarrer Lothar Breidenstein (Kronberg) meldet sich. Gemurmel. Ein Blick in die Rednerlisten der vergangenen Tagungen erklärt warum."
Über diesen Eintrag hat sich der Redner später beklagt. Dabei war er völlig korrekt, und was nur süffisant angedeutet wurde, thematisiert der Redner ein halbes Jahr später selbst mit den Worten: "Liebe Mitsynodale. Sie wären sicher enttäuscht gewesen, wenn ich nichts gesagt hätte." (Wortprotokoll der Elften Kirchensynode, 10. Tagung, 2. Sitzungstag, S. 110)

 
Blogging Übersicht / Kurze Historie:
Das erste ausführliche Synodenblogging gab es im
+ April 2012 (erster Post), danach nochmals intensiviert im
+ November 2012 (erster Post) und im
+ November 2013 (Übersicht), (Volltextarchiv pdf). Von der Frühjahrstagung 2014 konnte nach massivem Protest des Präses der EKHN nicht in der bisherigen Form gebloggt werden. Eine vollständige Live-Berichterstattung gab es dann nach einem Meinungswechsel in der Dekanatsleitung wieder bei der nächsten Tagung im
+ November 2014 (Übersicht). Von da ab sollen nach dem Willen des Alsfelder DSV nach Möglichkeit andere Öffentlichkeitsreferenten/ Redakteure von der Kirchensynode bloggen, damit der Aufwand dafür nicht dauherhaft nur im eigenen Dekanat liegt.   

19.11.2014