Gott befohlen!

Wie Gott aus dem Alltag gedrängt wird

So etwas habe er noch nie gehört, meinte mein Freund verdattert am Telefon, und ob ich als Kirchenmensch ihm sagen könnte, mit was für einem Frömmling er es da wohl zu tun hatte, der sich von ihm gerade mit den Worten verabschiedete hatte: "Gott befohlen"?
"Gott befohlen", das klinge ja wie im Dschihad, das müsse wenigstens ein Fundamentalist sein - wenn nichts Schlimmeres.
Auf Hochdeutsch klingt manches gestelzt und fremd, was in der entsprechenden Mundart wohl vertraut ist. Wer im Fernsehen (bzw. Internet) nicht nur amerikanische Serien schaut oder wer mal einen Urlaub im unbestreitbar schönen Oberbayern gemacht hat, der kennt den Gruß als "pfiat di" bzw. im Plural, auch als Sie-Form verwendet: "pfiat eich". Auf Hochdeutsch und in Langform: "Führe bzw. behüte dich/ euch/ Sie Gott". Quasi ein alltäglicher Segenswunsch, bei dem immer mitschwingt, dass wir unser Schicksal nur begrenzt in der Hand haben.

"Gott befohlen" bedeutet nichts anders als das kirchlich vertraute "der Herr sei mit dir". Und das gibt es in allen möglichen Sprachen.
"Adieu" (oder eingedeutscht: "ade") wird gerne mit "lebe wohl" übersetzt, heißt aber wörtlich: "bei Gott", wünscht also "Gott sei mit dir".
Nichts anderes meint "Tschüs" oder "Tschö" (mit "ö" - haha).

Doch im Deutschen verschwinden die frommen Wünsche. Selbst Senioren auf den Dörfern grüßen inzwischen  durchgängig mit "Hallo", wovon sich die Jüngeren durch das noch fürchterlichere "Hi" abgrenzen.  
Wie schön ist dagegen ein "Grüß Gott", auf das leider in sprachlich weniger gebildeten Breiten gerne mit dem Kalauer geantwortet wird: "wenn ich ihn seh'". Dabei ist das "grüß" doch kein Imperativ, kein Befehl, sondern ein Optativ, die Wunsch- oder Möglichkeitsform eines Verbs, als Kurzform zu "es grüße dich/ Sie Gott". Deshalb lautet der Plural zur auch im Vogelsberg vernehmbaren legeren Form "grüß dich" nicht "grüßt euch", sondern "grüß' euch" - Gott nämlich.

Im Internet ist Gott sehr präsent - als Ausruf des Entsetzens. "OMG" twittert und whatsappt es auf allen Smartphones - ein Akronym für "Oh, mein Gott". Auch beim Fluchen zeigt sich der ein oder andere noch gottergeben (wobei OMG immer stärker von WTF abgelöst wird...). Da könnte ein regerer Gebrauch frommer Alltagswünsche zumindest nicht schaden.

So verabschiede ich mich als Referent für Öffentlichkeitsarbeit mit diesem Beitrag von Ihnen mit einem herzlichen:
Vergelt's Gott.

(Tg)
21.05.2017
Kommentare:Kommentare:

Franz Huber
web:
04.06.2017
Sehr geehrte/r Frau/Herr "Tg",
Zum Thema "pfüat di" bzw. "pfüat eich":
Bevor Sie als nicht-mundart-kundige/r nur raten, was diese Grußformeln bedeuten, hätte Sie besser Einheimische fragen sollen.
Das "pfüat di/eich" hat nämlich gar nichts mit "führen" zu tun, sondern heisst "behüt' dich Gott" bzw. "behüt' euch Gott". In älteren Dokumenten und auch Liedern findet man diesen Abschiedsgruß öfters in dieser ausgeschriebenen Form.
Bitte fassen Sie dies nicht als "Besserwisserei", sondern einfach als Information (von einem gebürtigen Oberbayern) auf.
Mit freundlichen Grüßen
Franz Huber

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