Das unvollendete Gespräch

Aus der Blog-Reihe "Kirchen-Kommunikation" (KK)

Ein "Amtshilfeersuchen" erreicht mich aus der Kirchenverwaltung. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der EKHN benötige für ihren Job in der Öffentlichkeitsarbeit einer großen Kommune meinen Presseverteiler. Sie müsse eine Veranstaltung der Bundeswehr in "meiner" Region promoten. Zum Unterstreichen der Wichtigkeit (oder Amtlichkeit?) des Anliegens wird auf die kirchlichen Ämter der Dame verwiesen - die über fast jeden Zweifel erhaben sind.

Nur nicht über meinen natürlich. Wir Pfadfinder versprechen zwar, "Hilfe zu geben, wo Hilfe nötig ist" - aber das macht uns doch nicht zu Lakaien jedweden Anliegens! Und "dienstlich" ist die Anfrage auch nicht, nur auf dem Dienstweg eingespielt. Ich spiele also zunächst die Prioritäten-Karte - und sortiere das Anliegen auf meiner Prioritätenliste unter "wenn sonst gerade nichts anliegt" - das ist Rang 7 von 9 verfügbaren Kategorien. Auf Platz 1 = "heute zu erledigen" stauen sich gerade Themen mit dem summarisch geschätzten Zeitbudget von 12 Stunden, für "morgen" (Rang 2) sind 27,5 Stunden vorgemerkt - die Bundeswehr wird also noch etwas warten  müssen.
Doch schon tags drauf meldet sich die Adresssucherin bei mir persönlich per E-Mail. Im Urlaub sei sie und daher nur schlecht zu erreichen, aber die Kontakte zu den Medien in meiner Region benötige sie jetzt dringend.

Um keinen Medienbruch zu begehen, antworte ich umgehend per Mail und schreibe ihr, nach Eingangssermon: "Es liegt nicht nur zum Glück außerhalb meines Dienstauftrages, ich bin Kriegsdienstverweigerer nicht nur für die Zeit gewesen, in der ich Ersatzweise bei den Johannitern war. Ich hoffe, dass Sie das nicht albern finden, sondern als eine zivilgesellschaftliche Position akzeptieren können. Ich bin u.a. Herausgeber einer überarbeiteten Fassung Tucholskys 'Deutschland, Deutschland über alles' - ich kann unmöglich Backgroundsupporter für die Bundeswehr sein." Auf Hinweise zur Debatte um "Bundeswehr in den Schulen" und evangelische Positionen dazu verzichte ich.
Postwendend erhalte ich einen Autoresponder mit Urlaubshinweis. Und einen Arbeitstag später die persönliche Nachricht: "Danke. - Ausführliche Antwort folgt nach meinem Urlaub."

Auf Platz 1 der todo-List der Anfragerin bin ich damit offenbar nicht, was schon überrascht - denn nicht ich wollte eilig etwas von ihr, sondern sie von mir. Auf die versprochene ausführliche Antwort warte ich noch heute, 3 Wochen später. Oder besser:  werde ich wohl noch warten, wenn ich meine todo-List bis zu dem Punkt "Medienadressen für die Bundeswehr" abgearbeitet haben werde. (Tg)

10.12.2013