Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit?

Lappalie oder Ressortbeschreibung - ein Wort sagt viel

Es mag Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit geben. In einem kleinen Verein, einer Selbsthilfegruppe, in der Schülervertretung. Es mag sie auch in der Kirche geben: im Kirchenvorstand oder im Mitarbeiterkreis. Überall dort, wo die Aufgabe eben nicht von einem Fachmann wahrgenommen wird, sondern von irgendwem, der damit beauftragt wird. (vgl. Fußnote [2] in "Zur Freiheit der evangelischen Publizistik auf Dekanatsebene")

Manche Kirchenleute reden aber so beharrlich von den "Dekanats-Öffentlichkeits-Beauftragten", dass es schmerzt. Haben wir Gottesdienstbeauftragte oder Pfarrer? Und Verwaltungsbeauftragte oder Dekane? Orgelbeauftragte oder Kantoren?
Der Begriff des Öffentlichkeitsbeauftragten kommt natürlich der Realität des Berufsfeldes in vielen Dekanaten traurig nahe: Sie sind dort trotz ihrer ordentlichen E12-Vergütung keineswegs Leiter einer Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, sondern, wie es ein Kollege mal in unübertrefflicher Despektierlichkeit formulierte: Haus- und Hofschreiberlinge. Wer kann, darf auch mal ein Plakat gestalten.

Aber diese reale Traurigkeit sollte nicht zum Benchmark erhoben werden. Referenten für Öffentlichkeitsarbeit sollten weit mehr können, dürfen und müssen: Fragen stellen und nach Antworten suchen vor allem, die öffentliche Wirkung allen Lassens und Tuns im Dekanat abschätzen, konzeptionell denken, publizistisch handeln und einiges mehr. 
Ich halte zwar die Inhaberschaft von Pfarrstellen für ein kirchenorganisatorisches Problem, aber einstweilen wäre mit einer begrifflichen Angleichung inhaltlich vieles treffend gesagt: Referenten für Öffentlichkeitsarbeit sind Inhaber von Fachstellen. So stehts jedenfalls in meiner Dienstanweisung. Eine Fachstelle ist nichts für Beauftragte - sondern für Fachleute. Zumal der Begriff "Öffentlichkeitsbeauftragter" auch noch eine wenig sinnvolle Verkürzung ist: es geht um ÖffentlichkeitsARBEIT, nicht um Öffentlichkeit.

27.07.2014