Chronologie zur Dekanatsfusion Alsfeld-Vogelsberg

Sammlung wichtiger Ereignisse und Materialien

Im Mai 2012 wurde mit einem Impulspapier der Kirchenleitung eine neue Dekanatsstrukturreform bzw. "Neuordnung der Dekanatsgebiete" eingeleitet. Für das Dekanat Alsfeld soll der Prozess im Januar 2019 formal ans Ende kommen - dann wird es mit dem Dekanat Vogelsberg vereinigt (wohl unter dem Namen "Evangelisches Dekanat Vogelsberg"). Einige wichtige Daten und ggf. zugehörige Berichte oder Materialien werden in der folgenden Chronologie gesammelt.
Mai 2012: Der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung, gibt für die Kirchenleitung ein "Impulspapier zur Neuordnung der Dekanatsgebiete" heraus (Entwurfsfassung war 15. März 2012). In einem Begleitbrief an die Dekanatssynodalvorstände (DSV) schrieb Jung:
Durch die geplante Neuordnung soll angesichts zurückgehender Mitgliederzahlen sowie geringerer personeller und finanzieller Möglichkeiten die Handlungsfähigkeit unserer Kirche in den Regionen stabilisiert und gestärkt werden. Wir gehen davon aus, dass Dekanate nicht zu klein sein dürfen, damit sie auch künftig ihren Gestaltungsauftrag wahrnehmen und als starke Akteure in den Regionen wirken können. Die Kirchenleitung schlägt daher vor, die Zahl der Dekanate von derzeit 47 auf 25 bis 28 zu reduzieren. Das Impulspapier enthält die Vorschläge der Kirchenleitung für die einzelnen Dekanate. [...]
Die Kirchenleitung möchte mit dem Vorschlag zur Neugestaltung der Dekanate eine seit 15 Jahren andauernde Strukturdebatte beenden und Planungssicherheit für die Zukunft geben. Wir verbinden damit die Hoffnung, neue Gestaltungskraft für ein stärker nach außen gerichtetes missionarisches, diakonisches und gesellschaftliches Engagement zu gewinnen. In diesem Sinn bitten wir Sie sehr darum, das Projekt zur Neugestaltung der Dekanate zu unterstützen."

Mit diesem Impulspapier wurde ein "Konsultationsprozess" eröffnet, bei dem in den Dekanaten über den Vorschlag der Kirchenleitung und ggf. andere Vorstellungen gesprochen werden sollte. Die Debatte in den Dekanaten begann also, bevor in der Kirchensynode überhaupt die Fusionspläne beraten wurden.

27.07.2012: Im Newsletter der Fachstelle Öffentlichkeitsarbeit wird erstmals auf die geplanten Dekanatsfusionen hingewiesen; ein Diskussionsangebot mit offenen Fragen zur Fusion und den verfügbaren Dokumenten wird allerdings kaum genutzt. Bei Diskussionen u.a. in der Dekantssynode Alsfeld wird später unter anderem bemängelt, die Gemeinden seien nicht frühzeitig über die Pläne informiert worden, offenbar hatten einige die Veröffentlichungen im Newsletter und im Online-Magazin der Öffentlichkeitsarbeit nicht wahrgenommen.

25.04.2013: Der Gesetzentwurf zur Neuordnung der Dekanatsgebiete wird in die Kirchensynode eingebracht (1. Lesung). Der Geschäftsordnungsantrag des Synodalen Martin Diehl (Pfarrer in Egelsbach), den Gesetzentwurf nicht zu beraten und die Kirchenleitung zu bitten, diesen zurückzunehmen, wird abgelehnt. In seiner Begründung für den Geschäftsordnungsantrag hatte Diehl ausgeführt:
"Seit vielen Jahren beschäftigen wir uns mit der Neuordnung der Dekanate. Ich erinnere mich, schon als ich Dekan war zwischen 2000 und 2006, hat uns das immer wieder beschäftigt, und es wurden Konzepte entwickelt und neueGrenzen gezogen. Dahinter steckt der Gedanke, dass Dekanate vergleichbare Größen haben müssen. Dahinter steckt der Gedanke, dass da etwas vereinheitlicht werden muss.
Dabei hatte schon das Papier Perspektive 25  in großer Klugheit entdeckt, dass wir in unserer Kirche in Städten, im Gebiet rund um die Städte, im sog. Speckgürtel und auf dem Land völlig unterschiedliche Bedingungen haben. Deswegen tun wir uns ja auch so schwer mit diesem Gesetz und mit der Vereinheitlichung. Trotzdem besteht jetzt offenbar ein gewisser Druck, dieses Gesetz zum Ende zu bringen und endlich die Diskussion zu einem Ende zu bringen. Warum? Weil wir mittlerweile durch das Dekanatsstrukturgesetz natürlich in allen Dekanaten Stellen für die vier Arbeitsfelder haben, mit Profil und Fachstellen und jetzt hat in meiner Vordiskussion…" [An dieser Stelle wurde er von der Sitzungsleitung unterbrochen, weil eine solche Ausführung zur Sache nicht in einen Geschäftsordnungsantrag gehört.]

Kirchenpräsident Volker Jung (ehemals Vikar in Alsfeld, Pfarrer im Gruppenpfarramt und Dekan des Dekanats Vogeslberg) sagte zur Einbringung des Gesetzentwurfs:
"Die Dekanate haben in unserer Kirche keinen Verwaltungsauftrag, sondern einen Gestaltungsauftrag. Einen Gestaltungsauftrag für das kirchliche Leben in der Region. Das Ziel der Gestaltung ist es, das Evangelium zu bezeugen. Das bedeutet, dass alle Gemeinden, Einrichtungen, alle Dienste des Dekanates so zu unterstützen und zu vernetzen sind, dass die Kommunikation des Evangeliums in Wort und Tat gefördert wird. Dem Dekanat wird zugemutet und zugetraut, die kirchlichen Handlungsfelder innovativ zu entwickeln. [...]
Die Struktur und die Größe der Dekanate sind kein Selbstzweck. Sie sollen so sein, dass die Dekanate ihren Auftrag erfüllen können. Wir haben in der EKHN in den letzten beiden Jahrzehnten viel getan, um die Dekanate zu stärken. Leitend war dabei der Gedanke, dass wir den unterschiedlichen Regionen in unserer Kirche am besten gerecht werden, wenn das kirchliche Leben in den Regionen nicht von einer Zentrale aus, also von Darmstadt aus, gestaltet wird, sondern in den Regionen selbst.[...]
Der Gesamtkirche [= Kirchensynode, Kirchenleitung, Kirchenverwaltung] kommt nun die Aufgabe zu, die Rahmenbedingungen für die Dekanate zu definieren. Hierzu legt nun die Kirchenleitung Ihnen, hohe Synode, einen Gesetzentwurf zur Neuordnung der Dekanatsgebiete vor, damit Sie darüber beraten und beschließen können. Die Kirchenleitung ist überzeugt, dass die Dekanate eine gewisse Größe habenmüssen, um ihren Auftrag erfüllen zu können, es ist überhaupt nicht von Vereinheitlichung die Rede.[...]
Die Dekanate sollen über ausreichende Ressourcen und damit über Gestaltungskraft verfügen. Das ist auch nötig, damit ein Dekanat mit anderen, die die Region gestalten, wie Kommunen und Landkreisen, wirkungsvoll zusammenarbeiten kann, und zwar kooperativ und kritisch. Mit dem Vorschlag führt die Kirchenleitung einen Prozess fort, der in den letzten 15 Jahren bereits zu etlichen Dekanatsvereinigungen geführt hat.
Die Erfahrungen bereits vereinigter Dekanate sind ausgesprochen ermutigend. Sie haben jeweils dazu geführt, dass vielfältiger geplant und gestaltetwerden konnte und die Dekanate damit vielmehr als früher als wichtige Akteure wahrgenommen werden. Der Vorschlag der Kirchenleitung folgt nicht zuletzt dem Wunsch aus einigen Regionen, in denen es bisher nicht zur Vereinigung gekommen ist, eine klare Zielvorstellung zu definieren."

In der langen Debatte dieser ersten Gesetzeslesung sagte die Vogelsberger Synodale Karin Klaffehn:
"Was aber ist ein starkes Dekanat? Wenn ich auf unser möglicherweise zukünftiges Dekanat Vogelsberg Alsfeld schaue, sehe ich zuallererst eine riesengroße Fläche. Wir fahren von einem Ort zumanderen und das ist nicht nur die längste Strecke, über 60 km.Wir sind über eine Stunde unterwegs. Für diejenigen von Ihnen, die sich das da oben nicht vorstellen können, das ist wie, wenn Sie von Frankfurt nach Weilburg fahren. Stellen Sie sich vor, diese beiden Dekanate würden mit alledem, was dazwischen ist, fusioniert. Wir haben dann neunzig Kirchengemeinden, auch wenn wir nur 60.000 Menschen haben.[...]
Wir glauben, dass wir bei dieser Fusion an eine Grenze geraten. Ich vermag an der Stelle nicht zu sagen, ob wir noch auf der einen oder auf der anderen Seite sind. Aber viele in der Gegend sagen, das geht am Ziel eines handlungsfähigen Dekanates vorbei. Das ist so groß, da ist man nicht mehr stark, sondern nur groß und an Anzahl viel.[...]
Und wenn es denn Ziel ist, nicht nur Dekanate zu vereinen, sondern starke und handlungsfähige Dekanate zu formieren, dannmüssen diese Dekanate auch stark ausgestattet werden. Das bezieht sich auf die Verwaltung. So ein Riesendekanatmuss eine gute und große und auch mit Personen gut ausgestattete Verwaltung haben. Wir brauchen eine Leitung mit Dekanen und Prodekanen, die auch in dieser riesigen Fläche bei den vielen Gemeinden auch präsent sein kann. Sonst führt das zu Unzufriedenheit.[...]"

20.-23.11.2013 Zweite und dritte Lesung des Kirchengesetzes zur Neuordnung der Dekanatsgebiete (neuer Titel: Kirchengesetz zur Fortführung der Dekanatsstrukturreform in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau). Von der Debatte wurde live auf Facebook berichtet, eine unredigierte Manuskriptfassung steht zum Nachlesen bereit (pdf)
Der Gesetzentwurf zur zweiten Lesung (pdf):
Beschlossenes und heute gültiges Gesetz

27.06.2014: Die Dekanatssynode Alsfeld beschließt, gegen das Gesetz zur Dekanatsneuordnung und damit die Fusion Alsfeld-Vogelsberg von dem Kirchengericht (KVVG) zu klagen. Dieses weist die Klage am 28.11.2014 ab.

10.10.2014: Die Dekanatssynode Vogelsberg fordert die Kirchensynode auf, die Vereinigung der Dekanate Alsfeld und Vogelsberg auf unbestimmte Zeit auszusetzen. (Drucksache 98/2014)
Stellvertretend für die Vogelsberger Synodale Karin Klaffehn erklärte der Synodale Noormann damals vor der Kirchensynode:
"Also das Dekanat Vogelsberg beantragt die Aussetzung des Kirchengesetzes zur Neuordnung der Dekanatsgebiete, Fusion der Dekanate Vogelsberg und Alsfeld, auf unbestimmte Zeit. [...]
Wir tun es auch nicht, weil wir Vogelsberger ein kleines, uneinsichtiges Bergvolk sind. Wir tun dies, also diesen Antrag stellen, weil wir auch nach der Verabschiedung des Dekanatsfusionsgesetzes der Überzeugung sind, dass diese Fusion mittelfristig den Strukturen der Region schaden wird. Das sehen die Vogelsberger so, auch die allermeisten Alsfelder, wenn auch nicht der Dekan, unser geschätzter Bruder Sauer, der ja auch in unserer Mitte ist. [...]
Das Dekanatsfusionsgesetz war so angelegt, dass Ausnahmen eigentlich nicht vorgesehen waren, und auch die Abstimmungen haben deutlich gemacht, dass entweder alle fusionieren müssen oder eben niemand. Wir vom Dekanat Vogelsberg glauben, dass es nicht gut ist, wenn gesamtkirchliche Entscheidungen, die die Region betreffen, die Stimmen der Region nicht wirklich ernst nehmen."

Präses Ulrich Oelschläger erklärte dazu: "Das Ganze läuft auf eine Gesetzesinitiative hinaus; die Dekanatsfusionen sind per Gesetz beschlossen und können nur per Änderungsgesetz wieder verändert werden. In diesem Sinne muss der Antrag behandelt werden und in diesem Sinne empfehle ich ihn dann als Material an die Kirchenleitung und an die genannten Ausschüsse weiterzugeben."

In der Tagung der Kirchensynode vom 23. bis 25. April 2015 antwortete die Kirchenleitung zu dem Vogelsberger Antrag, der ihr zur Beratung gegeben worden war, u.a.:
"Die Kirchenleitung geht nach wie vor davon aus, dass das Dekanat Vogelsberg aufgrund der demografischen Entwicklung im regionalen Raum des Vogelsbergkreises perspektivisch nur gemeinsam mit dem Dekanat Alsfeld über ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen verfügen wird, um den Auftrag zur Gestaltung regionaler Kirche nach Artikel 17 der Kirchenordnung erfüllen und als starker Partner in der (außerkirchlichen) Öffentlichkeit wirken zu können.
Zur Entwicklung spezifischer, auf die Erfordernisse der Region abgestimmter Konzepte und Arbeitsformen sowie zur Klärung der notwendigen Sachfragen und Bedarfe bietet das beschlossene Dekanatsneuordnungsgesetz den Dekanaten Vogelsberg und Alsfeld einen großen zeitlichen Rahmen. Bis dahin sollte es – auch unter Nutzung der zur Verfügung stehenden gesamtkirchlichen Unterstützungsmöglichkeiten – gelingen, Lösungen für die besonderen Erfordernisse in einem vereinigten Dekanat zu finden, das flächenmäßig das größte der neuen Dekanate sein, von der Mitgliederzahl aber unter dem Durchschnitt liegen wird."

Damit waren die Einspruchsmöglichkeiten gegen die Fusion nach Ansicht bei der Dekanatsvertretungen erfolglos ausgeschöpft. Der Zusammenschluss der Dekanate Alsfeld und Vogelsberg wird somit laut Gesetz zum 1. Januar 2019 erfolgen, auf Antrag beider Vorstände könnte die Kirchenleitung einen späteren Zusammenschluss bis spätestens Januar 2022 genehmigen. Einen solchen Antrag wollen beide Dekanate derzeit nicht stellen.
http://www.kirchenrecht-ekhn.de/document/28390

12. Mai 2015: Erstes Treffen einer Kontaktgruppe der DSVs Alsfeld und Vogelsberg zur beschlossenen Fusion.  

Juni 2015: Die Dekanatsmitarbeiter werden beauftragt, "in naher Zukunft mit den entsprechenden Personen des Dekanats Vogelsberg zu einem Dienstgespräch zu treffen", um folgende Themen  zu erörtern:
- Vorschlag zum möglichen Zeitpunkt einer Fusion
- Vorschlag für einen möglichen Standort der Verwaltung
- Austausch der Konzeptionen,
und bis September 2015 der Vorsitzenden des DSV Ergebnisse mitzuteilen.

13.02.2016: Die neue Dekanatssynode Alsfeld entsendet in eine gemeinsame Steuerungsgruppe zur Fusion mit dem Dekanat Vogelsberg Bernd Dickel (KG Brauerschwend) und Martin Reibeling (KG Billertshausen). Vom neu gewählten DSV gehören dazu: Dekan Jürgen Sauer, Präses Sylvia Bräuning, Angelika Haber (KG Schwarz) und Michael Metz (KG Homberg).






31.12.2016