Ein letzter Kaffee auf Rhein-Main

Andrews kehrt nach 15 Monaten im Vogelsberg nach Kerala zurück



Zwei Bilder sagen mehr als tausend Worte: Die Ankunft von Anitha Andrews im Januar 2017 am Terminal 2 des Frankfurter Flughafens - und 15 Monate später der Abflug ab Terminal 1. Nach zehnstündigem Aufenthalt in Delhi hat unsere erste weltwärts-Freiwillige am 17. April 2018 ihren "Heimatflughafen" Cochin erreicht und wurde dort von ihrem Vater, ihrem Bruder und Freunden in Empfang genommen.
Vor ihrem Abflug hatte Andrews aber noch ein strammes Programm zu absolvieren: die Verabschiedung bei der Alsfelder Pfarrkonferenz und der letzte Wochenend-Besuch im bei Pfr. Markus Christ im Dekanat Büdinger Land; das "Black-Forrest-Cake", also Schwarzwälder-Kirsch-Essen mit den Alsfelder Kolleg*innen, gestifted von einem sichtbar schmunzelnden Dekan; am gleichen Abend der letzte öffentliche Vortrag über Frauen in Indien im vollen Familienzentrum im Homberg. Dann die einwöchige Reise mit der Dekanatsjugend zum Internationalen Jugendtreffen im französichen Kloster Taizé - "über 80 Prozent waren Deutsche", wunderte sich Andrews, die sich besonders über einzelne Taizé-Liedtexte in ihrer Muttersprache Malayalam fand. Danach die Verabschiedung bei "Ihren" Kindern in der Kindertagesstätte Arche Noah, wo sie in ihrem letzten Vierteljahr intensiv mitgearbeitet hatte. Zwei letzte Vorträge vor Oberstufen-Schüler*innen um Schulpfarrerin Christine Schellhaas, denen Andrews nicht nur über Indien berichtete, sondern zugleich durch ihr Beispiel Mut machte zu Auslandserfahrungen. Danach ins Selbstlernzentrum "Deutsch als Fremdsprache", in dem Andrews Geflüchtete an das Online-Lernen der deutschen Sprache herangeführt hatte - wer weiß besser um die Schwierigkeiten des Spracherwerbs als eine junge Frau, die ein Jahr zuvor ohne ein Wort Deutsch ins Land kam?
Höhepunkt war dann sicher die offizielle Abschiedsparte, zu der etwa 30 Personen erwartet wurden - und über 70 Personen kamen: von ihrer Gastgeber-"Großfamilie" über die Mitlernenden im VHS-Deutschkurs bis hin zu jungen Menschen, die Andrews gerade erst in Taizé kennengelernt hatte. Ihre Geografie-Kenntnisse musste Andrews dann in einem kleinen Quiz beweisen. Denn die erste weltwärts-Freiwillige des Dekanats bewegte sich nicht nur im Vogelsberg und in Mittelhessen. Ihre Reiseziele in ganz Deutschland und Europa musste Andrews auf der großen Deutschlandkarte wiederfinden und eintragen. Und so reichten die Zettelchen von Hamburg bis Garmisch-Partenkirchen, von Köln bis Berlin und Lutherstadt Wittenberg. Ihre privaten Reiseziele Paris, Rom und Venedig sprengten dann die Möglichkeiten einer Deutschlandkarte. Großen Anteil an diesen "Erkundungen", hatten die Gasteltern Steffi und Holger Simon, die für ihre "Tochter-auf-Zeit" ein Jahr lang persönliche Urlaubsreisen zu Sightseeing-Touren für Anitha umgestellt hatten.
Wäre der Begriff "Tränenpalast" nicht für einen ehemaligen Grenzübertritt in Berlin belegt, das Terminal 1 des Frankfurter Flughafens müsste nun diesen Namen tragen. Denn der Abschied fiel Andrews ebenso so schwer wie ihren acht Begleiterinnen und Begleitern. Am späten Dienstagabend, dem 17. April 2018, ist Andrews von ihrem Vater, ihrem Bruder und Freunden wieder an ihrem "Heimat-Flughafen" Cochin abgeholt worden.

20.04.2018
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