Zur Abendmahlspraxis in unseren Gemeinden

Getaufte Kinder können in Begleitung Erwachsener teilnehmen

Das Kirchengesetz unserer Kirche setzt zur Teilnahme am Abendmahl voraus, dass man getauft ist. Schon Martin Luther hat so geurteilt. Die Konfirmation sei zur Teilnahme am Abendmahl nicht nötig.  
Im Kirchengesetz heißt es weiter: „Da Jesus Christus selbst … einlädt, können auch Angehörige anderer christlicher Konfessionen …  teilnehmen“  und auch Kinder (Das Recht der EKHN Bd.1, 100 LO Abschnitt II 3.4).
Die drei Kirchenvorstände unserer Pfarrei haben über die Teilnahme von Kindern am Abendmahl ein Jahr lang ausführlich beraten. Übrigens ist dies durch die EKD bereits 1971 angeregt worden. Im Zentrum der Überlegungen stand die Frage, ob Kinder überhaupt verstehen können, was da geschieht. Kinder können sicher die Tiefe der Bedeutung der Vergebung der Schuld nicht begreifen, so unser Ergebnis. Aber die Gemeinschaft, die das Abendmahl stiftet, die können sie sicherlich erspüren; die Gemeinschaft der teilnehmenden Menschen und die Gemeinschaft mit Jesus Christus, der einlädt, weil er die Menschen liebt.
Der Apostel Paulus warnt im Korintherbrief vor einem unwürdigen Empfang des Abendmahls (1.Korinther 11, 17ff.). Die Kirchenvorstände haben festgestellt, indem sie sich mit dem Text beschäftigt haben, dass der unwürdige Empfang des Abendmahls in einer nicht gemeinschaftsmäßigen Form der Feier begründet liegt. Die Gesellschafts-ordnung der damaligen Zeit, die zwischen Freien und Unfreien, also zwischen Herren und Sklaven, unterschied, bildete sich auch bei den gottesdienstlichen Feiern und dem Abendmahl in Korinth ab. Dies sei nicht im Sinne Jesu und daher unwürdig, so der Apostel. Die Würdigkeit des Abendmahlsempfanges hängt also nicht mit dem vollständigen Verstehen zusammen.

Der praktische Nutzen der Zulassung getaufter Kinder und Jugendlicher zum Abendmahl liegt sicherlich darin, dass Kinder von  Anfang an einen Ort kennenlernen, von dem sie wissen, dass hier Schuld vergeben wird. Außerdem wachsen sie in die Abendmahlspraxis hinein und nehmen als Konfirmanden und später als junge Erwachsene vielleicht ungezwungener teil, da sie mit dem Ablauf seit langer Zeit vertraut sind.
Für mich als Pfarrer war für die Beschäftigung mit dem Thema ausschlaggebend, dass die Kinder der Kommune Kirtorf bei Kindergartengottesdiensten am Abendmahl teilnehmen dürfen. Ich als ihr Gemeindepfarrer musste sie aber bisher davon ausschließen, z.B. bei Konfirmationsgottesdiensten.

Die Kirchenvorstände haben beschlossen, Kinder zum Abendmahl zuzulassen und zwar
- wenn sie getauft,
- mindestens drei Jahre alt sind
- und in Begleitung eines Erwachsenen kommen.

Wir bitten Eltern, Großeltern und Paten, sich offen den Fragen der Kinder zu stellen, die ihre Teilnahme am Abendmahl wecken. Im Kindergottesdienst wird regelmäßig vor Ostern das Abendmahl thematisiert werden. Wir bitten daher die Eltern, ihre Kinder gerade in der Zeit vor Ostern in den Kindergottesdienst zu schicken.

Für die Kirchenvorstände Arnshain, Bernsburg und Wahlen:
Pfarrer Frank Hammel

05.11.2015