Pilgern mit Tauferinnerungsgottesdienst  im Jägertal


Wir hofften alle auf Wasser, nachdem Frühjahr und Sommer so trocken waren wie selten einmal.

 Da schien uns „Wasser“ das geeignete Thema für eine Pilgertour im Jägertal zu sein. Der vergangene Sommer zeigte uns auf, dass es nicht selbstverständlich ist, immer und überall über das köstliche Nass verfügen zu können, aus grünen Wiesen und fruchtbaren Feldern wurde nicht selten braune Wüste.
 Also machten wir uns am 23. September von der Jägertalhütte im Göringer Grund, unweit von Zell, auf den Weg zum Wasser. Und in der Tat, es wurde nicht nur ein Weg zum Wasser, es wurde ein Weg mit Wasser, nämlich genügend Wasser von oben.  Die 22 großen und 2 kleinen Pilger ließen sich vom lange ersehnten Regen nicht abhalten (gepilgert wird bei jedem Wetter) und machten sich nach dem Pilgersegen an der Jägertalhütte auf den Weg zum Melbacher Teich. Man konnte erspüren, wie gierig Wald und Boden das in diesem Jahr so rare Nass aufsogen und sozusagen aufatmen konnten.
Jägertal1

Am Melbacher Teich, der 2. Station der Pilgerwanderung, wurde mit kleinen Gläschen Wasser aus dem Teich geschöpft und nach einem Gebet ging es weiter zur Melbacher Hütte und von dort mit einem Schweigeweg, in dem auf das Geräusch des Regens um uns herum geachtet wurde, wieder ins Jägertal zur Jagdhütte.
Jägertal2

Im Zelt der Feuerwehr, das vorsorglich schon am Freitag für den Tauferinnerungsgottesdienst aufgebaut war, war die Taufschale der kath. Kirchengemeinde Ruhlkirchen schon auf dem Altar aufgebaut. Dort hinein gossen die Pilger nun ihr vom Teich mitgebrachtes Wasser und bekamen von den Pfarrern Woiczyk und Hammel ein Wasserkreuz mit Segensspruch in die Hand gezeichnet, zur Erinnerung an die eigene Taufe. Der Posaunenchor gab mit seinen Chorälen den musikalischen Rahmen für diesen Gottesdienst.
Ein Teilnehmer  aus Kirtorf, der mit seiner Familie 13 Jahre im Jägertalhaus lebte, schilderte sehr lebendig, wie das Leben in den fünfziger und zu Beginn der sechziger Jahre dort ohne Strom und Wasser war, natürlich ohne Fernseher, aber auch ohne Radio, Dusche und Toilette. Der Schulweg nach Romrod war bei Regen und in den dunklen Wintermonaten auch nicht immer die reine Freude.
Bei Kaffee und Kuchen und einem  behaglichen Feuer im Kaminofen bekam die Pilgertour einen schönen Abschluss.  

Text und Bilder: Eleonore Hansel