Aufatmen im Alltag

Von Pfarrerin Sarah Kiefer

Herr
Es gibt Leute die behaupten
Der Sommer käme nicht von dir
Und begründen mit allerlei und viel Tamtam
Und Wissenschaft und Hokuspokus
Dass keine Jahreszeit von dir geschaffen
Und dass ein Kindskopf jeder
Der es glaubt
Und dass noch keiner dich bewiesen hätte
Und dass du nur ein Hirngespinst
Ich aber höre nicht drauf
Und hülle mich in deine Wärme
Und saug mich voll mit Sonne
Und lass die klugen Rechner um die Wette laufen
Ich trink den Sommer wie den Wein
Die Tage kommen groß daher
Und abends kann man unter deinem Himmel sitzen
Und sich freuen
Dass wir sind
Und unter deinen Augen
Leben
(in: Hüsch, Hanns Dieter / Seidel, Uwe: Ich stehe unter Gottes
Schutz. Psalmen für Alletage, Düsseldorf 2014, 13. Auflage )
Haben Sie auch den Sommer in den Zeilen von
Hanns Dieter Hüsch gespürt? Ich jedenfalls freue
mich auf die warmen Sommerabende unter demSternenzelt. Auf Gespräche am Lagerfeuer über
Gott und die Welt. Auf die Urlaubszeit und das Reisen.
Ich finde, die Sommerzeit ist eine gute Zeit
zum „Aufatmen im Alltag“: Das Wetter lädt oft dazu
ein, etwas Schönes zu unternehmen und man kann
auch spät am Tag noch draußen mit den Nachbarn
plaudern. Gerade weil die Tage lang sind und es
erst spät dunkel wird, habe ich das Gefühl, mehr
Zeit zu haben. Zeit, die ich auch einfach mal einsetzen
möchte, um die Seele baumeln zu lassen und
mich an Gottes wunderbarer Schöpfung zu erfreuen.
Und wenn man entspannt aus dem Sommer
kommt, dann kann man im Herbst wieder so richtig
gut durchstarten.
Pausen sind wichtig. Sie helfen uns dabei, nochmal
mit frischen Blick auf alles zu schauen. Das gilt für
die Arbeit und auch das Leben. Vielleicht kennen
Sie die Geschichte vom überfleißigen Waldarbeiter:
Ein Waldarbeiter sägt mühsam einen großen Stapel
Holz und kommt nur langsam und angestrengt
voran. Fußgänger kommen am Wegesrand vorbei
und beobachten den Holzarbeiter eine Weile.
Schwitzend flucht und schimpft er. Die Passanten
fragen ihn, warum er denn nicht zuerst seine Säge schärft.
Der Holzarbeiter schüttelt entrüstet den Kopf und
sagt:
“Sehen Sie nicht die viele Arbeit. Ich habe keine
Zeit die Säge zu schärfen. Ich muss sägen!”
Hätte er eine Pause gemacht und sich kurz zurückgelehnt,
dann wäre ihm sicherlich aufgefallen,
was jetzt wirklich dran ist: Die Säge zu schärfen.
Ich finde die Urlaubszeiten im Sommer sind solche
Momente, in denen wir unsere Säge schärfen –
und danach geht die Arbeit wieder besser von der
Hand. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine erholsame
Sommerzeit.
Herzlichst, Ihre Sarah Kiefer
11.07.2018