Paddeln und Radeln in den Sommerferien

Protokoll einer Jugendfreizeit der Kirchengemeinde Grebenau

Bei eher trübem Wetter aber trotzdem gutgelaunt starte-ten wir um 10 Uhr am Marktplatz in Grebenau Richtung Bad Hersfeld. Nachdem wir in Hatterode endlich auch den letzten Teilnehmer noch aufgegabelt hatten, konnten wir ab Breitenbach nur noch auf Radwegen fahren. Trotz Kamikaze-Fahrer T.Z. kamen wir gegen halb eins unbeschadet am Bahnhof an. Wir hatten sogar noch reichlich Zeit, unsere Fahrräder mit dem Fahrstuhl auf Gleis 3 zu befördern, die Gepäcktaschen abzusatteln und alles ordentlich in Reih und Glied aufzustellen. Jetzt musste nur noch der Zug kommen. So dachten wir jedenfalls.

Aber zwei Minuten vor Abfahrt ertönte eine freundliche Stimme aus dem Lautsprecher: „Der Zug fährt heute von Gleis 4 ab!“ Wir waren erst mal wie vom Donner gerührt, und dann ging die Hetze los: 16 Fahrräder und ebenso viele Gepäcktaschen mussten treppab, durch die Fußgängerunterführung und wieder treppauf geschleppt werden.

Doch alle packten mit an und so schafften wir es doch noch, auch wenn Pfarrer Kretschmer zum Schluss noch „todesmutig“ über die Gleise sprang, weil auf der anderen Seite dummerweise noch 2 Gepäcktaschen standen.

Aber wir kamen alle wohlbehalten in Eisenach an, wo wir unsere Vorräte auffrischten und uns nach der Besichtigung der Stadtkirche auf den Weg zur Jugendherberge machten. Die Zimmer dort waren ganz o.k., leider merkten wir erst später, dass das Mädchenzimmer etwas roch, als wäre irgendwo eine Kläranlage darin versteckt.
Abends wanderten wir noch auf einem sehr schönen, aber sehr steilen Weg zur Wartburg und dann weiter zur wildromantischen Drachenschlucht, wo es dann schon sehr dämmrig war und nur die ganz Hartgesottenen ohne Handylicht auskamen.

2. Tag: Dienstag, 26.7.2011

Heute Morgen mussten wir sehr, sehr, sehr früh aufstehen (7.30 Uhr!). Nach einem köstlichen Frühstück sattelten wir unsere Fahrräder. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit dem gestrigen „Kamikazefahrer“, der nun jedoch recht müde war, haben wir schließlich den Fahrradweg nach Creuzburg erreicht. Auf dem Campingplatz in Creuzburg stellten  wir unser Gepäck ab und uns wurden Kanus zugeteilt. Nach einer langen Fahrt im engen Multivan stachen wir schließlich (bei Sallmannshausen) mit den Kanus „in Fluss“. Die meisten hatten sich bald mit den Kanus vertraut gemacht, nur die Mädchengruppe Regina, Julia und Friedi paddelte noch ein wenig im Gebüsch herum.

Doch dann hatten wir eine schöne laaaaange, anstrengende Fahrt bis zum ersten Rastplatz. Nach einer Frühstückspause fuhren wir weiter auf der schönen Werra. Auf dieser Strecke versuchte jeder, Erster zu sein.
Während der nächsten Pause fing es leider an zu regnen und es wurde plötzlich sehr kalt, so dass sich einige schon abholen lassen wollten. Als wir uns aber überwunden hatten weiter zu fahren, wurde uns wieder warm.

Nach insgesamt 20 km kamen wir alle sehr erschöpft und mit wunden Händen endlich wieder am Campingplatz an und die Sonne schien in ihrer vollen Pracht. Außer dass unser Betreuer Alex ein Paddel zerbrochen hatte, hatten wir keine Verluste zu beklagen.
Nachdem die Zelte aufgebaut waren, fuhren wir äußerst HUNGRIG in die schöne Stadt Creuzburg und machten einen Döner-Laden reich.
Der Tag endete mit Karten- und Würfelspielen, Fahrradflicken und diesen Bericht schreiben.

3. Tag: Mittwoch, 27.7.2011

Als wir heute aufwachten, waren wir alle sehr müde, da wir zum Teil auf harten Falt-Isomatten, die möglicherweise noch aus DDR-Be-ständen stammten, schlafen mussten. Dabei stellten wir fest, dass unser Betreuer T.K. die Nacht auf einer Holzbank verbracht hatte, weil der Boden im Zelt die Ähnlichkeit zu einer Berg-und-Tal-Bahn hatte. Nachdem wir gefrühstückt und die Zelte abgebaut hatten, holte Herr M. Kaiser unsere Schlafsäcke und sonstigen überflüssigen Sachen ab.
Natürlich musste wieder etwas passieren: Johanna hatte einen Platten, der am Vorabend schon 2-3 Stunden lang repariert worden war, und nun noch Luft von einem Kompressor brauchte, da der Reifen ein Autoventil hatte. Zum Glück hatte Herr Kaiser die Geduld ungefähr dreimal zur Tankstelle zu fahren, bis der Reifen endlich wieder in Ordnung war. Vielen Dank dafür! Danach konnten wir endlich mit unseren Kanus die restlichen 12 km hinter uns bringen.

Während bei einem Viererkanu sich T.Z. unbedingt stellen und wieder hinsetzen musste und dadurch leider über Bord ging und aus Rache die ganze Mann-schaft nass spritzte, lieferte sich das andere Viererkanu eine Wasserschlacht mit einem riesigen Schlauch-boot, das es gewagt hatte, uns mit seinen Paddeln nass zu spritzen. Schön erfrischt fuhren wir dann weiter nach Mihla.
Dort wurden unsere Fahrräder und unser Gepäck vom Kanuverleih hingebracht und die Kanus mitgenommen und wir fuhren noch 36 km bis zur Jugendherberge Eschwege auf dem Herkules-Radweg. Nach Abendessen, Proviant einkaufen und einem lustigen Abend sanken wir erschöpft in unsere Betten.

4. Tag, Donnerstag 28.7.2011


Nachdem wir gefrühstückt hatten und T.Z., der heute verschlafen hatte, aufgetaucht war, sattelten wir unsere Räder, fuhren auf dem Werratal-Radweg und genossen den herrlichen Sonnenschein.
Als wir in Witzenhausen ankamen, hatten wir die Idee, ins Freibad zu gehen. Dort gab es einen hohen Sprungturm, auf dem die Jungen ihren Mut beweisen wollten. Doch ausgerechnet unser Jüngster, P.S., traute sich als Einziger, vom 10-m-Turm zu springen.

Leider mussten wir nach 2 Stunden wieder weiter und kamen nach weiteren 20 km mit genervten Gesichtern in Hannoversch Münden an. Nach dem Abendessen ging es zu Aldi zum Proviant-Einkauf und anschließend ins benachbarte Mc D. Dort belustigte uns v.a. T.M., der sich zuvor als Wespenmagnet erwiesen hatte. Außerdem beobachteten wir einen Jungen, der wahre Berge von Fast-Food vertilgte.
Nun fuhren wir durch die schöne Stadt Hann. Münden, wo (wer wohl?) T.Z. erst einmal seinen Geldbeutel füllen musste. Als wir in die Jugendherberge zurückkehrten, lasen wir noch den Tagesbericht von gestern vor, bevor eine lange und laute Nacht mit wenig Schlaf begann.

5. Tag, Freitag 29.7.2011

Heute hieß es ein letztes Mal Betten abziehen, gemeinsam frühstücken, Fahrradtaschen packen und aufsatteln. Auf dem Fuldatal-Radweg ging es „ab nach Kassel“, wo wir uns bis zur Abfahrt des Zuges stärken konnten. Die Zugfahrt war nicht sehr erholsam, weil der Zug völlig überfüllt war, aber der Zugführer gab sich alle Mühe, das zu entschuldigen. In Bad Hersfeld angekommen, lag die letzte Etappe vor uns, und T.M. wurde vom Endspurt so mitgerissen, dass er unseren Augen entschwand (aber, wie wir später erfuhren, trotzdem heil daheim ankam).

Auch wenn die letzten Kilometer nochmal anstrengend waren, schafften wir es doch bis zum Grebenauer Marktplatz, wo dann die Länge der Gesamt-Fahrradstrecke in den 5 Tagen verkündet wurde: 215 km (plus ca. 35 km Kanu!).
Keinem ist etwas passiert, das Wetter war gut und wir haben einiges erlebt. Manchmal mussten wir auf die Gemütlicheren warten, manchmal mussten wir die Sportlicheren zurückpfeifen, die munter vorneweg preschten, obwohl sie gar nicht den Weg kannten, aber wir kamen als Gruppe (fast) immer gemeinsam an und keiner musste sich völlig verausgaben.

Erschöpft, aber mit stolzgeschwellter Brust bedankten sich die meisten noch bei den Betreuern und werden trotz aller Anstrengungen bestimmt noch lange an die Tour zurückdenken.

(Dieser Bericht wurde von den „Hauptchronisten“ Madeleine S. und Paul S. verfasst, unterstützt von Johanna H., Julia K., Friederike K., Christopher T., Tobias Z. und Antje K.
Wer übrigens Photos vermisst, der erwischt uns auf dem falschen Fuß: Jeder wollte bei der Kanu-Tour vermeiden, dass seine Kamera usw. untergeht. Aber auch ohne Bilder gilt: Dabeisein ist alles!)

02.10.2011