Ein Wort an die Gemeinde von Frau Dr. Thierfelder

Liebe Gemeinden von Kirtorf und Ober-Gleen,

 

Atempausen –

Sie sind wichtig bei längeren Wanderungen, aber auch auf unseren Lebenswegen und sogar auf den Lebenswegen von Kirchengemeinden.

In vielen Kirchengemeinden in den USA ist es daher üblich, einen Interimspfarrer einzustellen, wenn ein langjähriger Pfarrer oder eine langjährige Pfarrerin gegangen ist.

Dieser oder diese überlegt mit der Gemeinde, was für ein Profil der neue Pfarrer/die neue Pfarrerin haben sollte. Aber vor allem hilft ein Interimspfarrer oder eine Interimspfarrerin – die in den USA dafür auch besonders qualifiziert sind -, dass der oder die „Neue“ nicht in den unmittelbaren Vergleich mit der Vorgängerin/ dem Vorgänger stehen muss. Eine Interimspfarrerin ist also ein „Pausenzeichen“, das zum Atemholen dient.

Natürlich ist so eine Zwischenzeit nicht immer einfach zu ertragen. Die Unsicherheit, wer sich bewerben wird ist groß. Wie wird er oder sie sich einfügen? Welche Impulse werden von ihr oder ihm ausgehen? All das liegt in der Zukunft und ist ungewiss.

 

Ich werde Sie wie eine Interimspfarrerin in den nächsten Monaten begleiten, sozusagen für das Pausenzeichen stehen und mit Ihnen diese Ungewissheit teilen, aber auch die Hoffnung, dass das, was kommt, die neue Pfarrerin oder der neue Pfarrerin, für die Menschen in Kirtorf und Ober-Gleen gut sein wird.

 

Goethe hat dieses „Atem-holen“ in seiner prägnanten Art in einem Gedicht zusammengefasst:

 

Im Atemholen sind zweierlei Gnaden.

Die Luft einzuziehen, sich ihrer entladen.

Jenes bedrängt, dieses erfrischt.

So wunderbar ist das Leben gemischt.

Du danke Gott, wenn er Dich presst.

Und dank ihm, wenn er Dich wieder entlässt

 

(Johann Wolfgang von Goethe, West-Östlicher Diwan, Das Buch des Sängers)

 

Mit herzlichen Grüßen und guten Wünschen für unseren Weg

Dr. Constanze Thierfelder, Pfarrerin