Ober-Breidenbach - Strebendorf

Kirche Ober-Breidenbach  Kirche Strebendorf

Ober-Breidenbach (Kirche links) und
Strebendorf (Kirche rechts) bilden mit Storndorf
ein Kirchspiel und gehören zum
Evangelischen Gruppenpfarramt Vogelsberg.

Ober-Breidenbach

Kirche

Die Ursprünge der Ober-Breidenbacher Kirche gehen zurück bis ins 12. Jahrhundert. Sie war wohl eine Zentralkirche für die umliegenden Ortschaften und lag mitten auf der Gerichtsgrenze Felda / Romrod. Um die Kirche gab es einen Friedhof, der auch Begräbnisort der Junker von Storndorf gewesen ist. Von einem eigenen Pfarrer ist erstmals 1424 zu hören, also noch in katholischer Zeit. Damals stand die Pfarrbesetzung den Grafen von Ziegenhain zu, nach deren Aussterben übernahmen die Herrn von Ehringshausen und danach die Schenke von Schweinsberg das Patronat, das sie bis heute besitzen.
Als die Kirche im 17. Jahrhundert eine „alte bauvfellige böse Kirche“ geworden war, ging man 1699/1700 an die Sanierung, trug das baufällige Oberteil ab und nahm eine Erhöhung in Fachwerkkonstruktion unter Stehenlassen des Turmes vor. Dieser Turm konnte aber schon 1738 nicht mehr bestiegen werden und wurde 1803 abgerissen. Erst 1870/71 wurde an der Ostseite der Kirche an der Stelle des alten Chorbaus ein neuer Turm errichtet.

Glocken
Im Turm hängen drei Glocken. Die heutige Vater-Unser-Glocke ist die kleinste und stammt vermutlich noch aus vorreformatorischer Zeit. Die beiden anderen wurden im Jahr 1951 neu gegossen, nachdem ihre Vorgänger in Kriegszeiten jeweils zu Waffen eingeschmolzen wurden.

Orgel
1765 erhielt die Kirche erstmals eine Orgel, die gebraucht gekauft wurde und damals schon 126 Jahre alt war. Sie erfüllte ihren Zweck bis zum Einbau der heutigen Orgel, die aus dem Jahr 1900 stammt und von Orgelmeister Bernhardt aus Romrod geschaffen wurde. Zu den Besonderheiten gehört die Kanzel aus dem Jahr 1638.

Renovierungen
Im Jahr 1959 wurde die Kirche einer größeren Renovierung unterzogen, bei der die alten Emporenpfeiler durch in der Wand befestige T-Eisen ersetzt wurden. 1981 war eine erneute Sanierung notwendig, da im Altarbereich Schwammbefall festgestellt worden war. Hier wurden alte Sandsteinplatten durch Schwabenröder Platten ersetzt. Die letzte Renovierung wurde im  Jahr 1995 durchgeführt. Die Kirche ist im Jahre 2004 ganz in das Eigentum der Kirchengemeinde übergegangen. Die Stadt Romrod hatte damals die Bau- und Unterhaltungspflicht abgelöst.

Friedhof

Der Friedhof in Ober-Breidenbach befand sich bis 1810 um die Kirche und diente jahrhundertelang als Begräbnisstätte für Ober-Breidenbach und Strebendorf. Dann verlegte man ihn vors Dorf Richtung Windhausen, da der Untergrund um die Kirche zu felsig war und der Grabbereitung große Schwierigkeiten entgegensetzte.

Pfarrhaus Ober-Breidenbach
Das erste erwähnte Pfarrhaus stammte noch aus mittelalterlicher Zeit und war bis zum Jahr 1572 in Gebrauch. Nachdem zwischenzeitlich ein „geringes Bauernhäußlein“ erworben worden war, errichtete man 1611 das neue Pfarrhaus, das allerdings erst 1620 fertig wurde. Dieses Haus musste jedoch 1734 wieder abgebrochen werden und man errichtete auf dem heutigen Grundstück 1735 ein geräumiges Fachwerkhaus.

Dieses wurde erst 1963 abgebrochen und machte dem heutigen Pfarrhaus Platz. Im Eingangsbereich ist das Arbeitzimmer und ein kleines Archiv eingerichtet. Im Keller befindet sich ein Gemeinderaum mit ca. 30 qm, der direkten Zugang von außen hat und in dem sich früher Gemeindekreise wie Frauenkreis, Spielkreis oder Kindergottesdienst trafen. Heute wird dort der Konfirmandenunterricht abgehalten. Daneben befindet sich ein weiterer Archivraum.

Strebendorf

Kirche
Die kleine Strebendorfer Kirche ist aus dem Umbau eines im Jahr 1701 errichteten Backhauses entstanden und wurde seit etwa 1741 als Bethaus und Schulhaus benutzt. Schon seit dieser Zeit hat die Kirche auch einen Dachreiter, in dem eine Glocke aus der Zeit um 1745 hängt, die bis in die späten 80er Jahre noch mit der Hand geläutet wurde. In den 50er Jahren wurde die Kirche grundlegend saniert, wobei eine Empore für die Männer entfernt wurde.
Durch die exponierte Stellung an einer Straßenkreuzung entstanden im Laufe der Jahr Risse, so dass eine weitere Sanierung im Jahr 1991 geschah, in deren Verlauf eine Bauwerksuntersuchung vorgenommen, manche Gefache des Fachwerks mit Lehm neu aufgebaut und drei Außenseiten mit Schindeln versehen wurden. Inzwischen ist die Kirche auch auf der Vorderseite verschindelt worden, weil die Erneuerung des Fachwerkes angestanden hätte und diese Maßnahme sehr teuer geworden wäre.

1994 wurde eine neue Orgel angeschafft, gebaut von der Fa. Oberlinger mit 4 Registern zum Preis von 50.000,- DM. Das Geld wurde zum großen Teil durch Spenden aus der Gemeinde, Kollekten und Erlösen von Basaren und Festen zusammen gebracht. Auch die Strebendorfer Kirche ist seit 2004 im Zuge der Ablösung der Bau- und Unterhaltungspflicht durch die Stadt Romrod vollständig in das Eigentum der Kirchengemeinde übergegangen.

Friedhof

Der Friedhof wurde 1810 an seiner heutigen Stelle Richtung Liederbach eingerichtet, nachdem bis zu diesem Zeitpunkt die Strebendorfer um die Ober-Breidenbacher Kirche herum beerdigt worden waren.

Quelle: Visitationsbericht 2001

04.08.2011