Luther

"Auf ein Wort" von Pfarrer Bernd Passarge

1517. Ein unbedeutendes Ereignis in der Provinz macht Geschichte. 95 Thesen gegen den Religionshandel eines unbedeutenden Mönches werden öffentlich. Kann man sich das Seelenheil kaufen? Die kritische Anfrage kommt in Kontakt mit den unterschiedlichen Interessen der Mächtigen. Und Martin Luther wird zum Spielball der Politik. Doch Martin Luther nimmt den Ball gerne auf und wird zum Stürmer-Star der neuen Bewegung, der Reformation.

Dieses Ereignis ist ein Wendepunkt der Geschichte und ist untrennbar verbunden mit neuen technischen Errungenschaften, wie dem Buchdruck und einer neuen Geisteshaltung, dem Humanismus.

500 Jahre später stehen wir im Grunde wieder vor epochalen Veränderungen mit ganz ähnlichen gesellschaftlichen Aufspaltungen. Wo die Reise für uns hingeht, kann keiner sagen. Deshalb finde ich die Beschäftigung mit der großen Symbolfigur der Reformation spannend.
Es gibt mittlerweile eine große Anzahl neu herausgegebener Luther-Biographien. Schaut man in die Bücher, erfährt man, dass Martin Luthers Leben und vor allem seine Person ganz unterschiedlich gedeutet wird. Klar, Luther war nicht mehr im Mittelalter, aber in der Neuzeit war er auch noch nicht. In vielen Situationen war er eine zerrissene Persönlichkeit. Er wollte die Einheit der Kirche, war aber Wegbereiter der Spaltung. Luther war nicht nur ein genialer und mutiger Theologe und Sprachschöpfer, sondern in manchen Angelegenheiten auch ein cholerischer Hassprediger. Martin Luther war ein Mensch, der durch viele Anfeindungen über sich selbst hinaus gewachsen ist. Auf der anderen Seite konnten alle, die nicht auf seiner Linie waren, auch seinen Zorn abbekommen: Der Papst, die Bauern, die Juden und die Türken.

Um sein Leben zu beurteilen, frage ich mich immer, wie ich denn gehandelt hätte, wenn ich in seiner Situation gewesen wäre. Und dann werde ich demütiger und gnädiger vor den Leistungen und Fehlleistungen dieses schwierigen Helden.
Am gerechtesten werden wir Martin Luther wohl, wenn wir auf den Grund seines Handelns schauen, nämlich sein theologisches Denken. Hier ist er in meinen Augen der besondere Mensch, dem es gelungen ist, den christlichen Glauben auf vier wesentliche Punkte zu bringen: Allein Christus, allein Gnade, allein die Bibel, allein der Glaube. Alles andere ist nebensächlich. Darauf kann man sich doch einigen! Danke, Martin Luther.

Pfarrer Bernd Passarge
Kirchspiel Ober-Ofleiden