Bericht vom Blaulichtgottesdienst in Leusel

Thema: Erfahrungen auf dem Weg im Einsatz

Erfahrungen auf dem Weg zum Einsatz“ – unter diesem Motto lud die Notfallseelsorge Vogelsberg am 16. März 2017 in der barocken Evangelischen Kirche Leusel zum diesjährigen ökumenischen Blaulichtgottesdienst.
Notärzte, Polizeibeamte, Angehörige der Rettungsdienste, Feuerwehren und des Katastrophenschutzes Vogelsberg, Vertreter der evangelischen Dekanate und katholischen Kirche, Notfallseelsorger sowie Pfarrer aus den umliegenden Kirchengemeinden und einzelne Gemeindeglieder saßen in den Sitzbänken beieinander und füllten den Gottesraum mit einem besonderen Gefühl der Gemeinschaft und Sicherheit.

„Und wir gehen den Weg, von hier - Seite an Seite, ein Leben lang, für immer“, stimmte ein Song der Sängerin Christina Stürmer die Gemeinschaft melodisch auf die Thematik ein, bevor sich das Vorbereitungsteam um die Pfarrer und Notfallseelsorger Thomas Schill, Sven Kießling, Christoph Werner sowie Horst Kurz viele Gedanken über die unterschiedlichen Wege eines Menschenlebens machten.

„Wege - sowohl die schweren, als auch die leichten – nur zusammen sind sie ein Sinnbild unseres Lebensweges“, schickten die Organisatoren voraus. Kein Weg gehe immer nur geradeaus, manchmal irre man durch ein verschlungenes Labyrinth voller Höhen und Tiefen. Aber am Ende des Weges komme man an und sei nicht alleine, so eine tragende Botschaft zwischen Besinnlichkeit, Liturgie und feinem Saxophonspiel von Ute Krönung und Christine Eißler aus Lauterbach.
Eben war ich noch mitten im Leben. Plötzlich geht der Alarm los, Zuhause, bei der Arbeit, auf der Wache – Auf einmal ist alles anders. Viele Fragen schwirren im Kopf umher, führen zu inneren Spannungen. Bin ich gut vorbereitet? Was werde ich vorfinden und erleben? Habe ich meine Sachen gut vorbereitet? Wie viel Leid werde ich erleben? Welche Ängste, Wut, Trauer, wird in die Situation hereinbrechen?“, entflammten im Raume viele Bilder und Fragen, die sich jeder Beteiligte zwangsläufig bei einem Einsatz stelle. Wie aber reagieren dann die Leute im Einsatz? 

„Wenn ein Notfallseelsorger eingefordert wird, kann man immer von einem schweren Weg ausgehen“, beschrieb Seven Kießling im Nachgespräch zum Einsatz seiner Person. Man erlebe die Situation und müsse mit Erlebtem wieder zurück nach Hause oder zum Stützpunkt. Von einer auf die nächste Sekunde würden private Ängste, Sorgen und Konflikte nicht mehr bedeutsam, alles, was groß und wichtig erscheine, würde nichtig und klein.

Für Pfarrer Thomas Schill war es zudem von großer Bedeutung, nach seiner Rückkehr vom Einsatz einen Gesprächspartner vorzufinden, mit dem er über die Erlebnisse sprechen könne. Ebenso sei es ein tröstendes Gefühl zu wissen, vor Ort ein Teil der Rettungskette zu sein. Gerade die ehrenamtlichen Notfallseelsorger aus anderen Berufsgruppen seien aufgrund ihrer individuellen Kompetenzen im Notfall für die gesamte Notfallmannschaft eine starke Bereicherung. „Wäre toll, wenn wir auch aus dieser Sparte noch einige Kollegen hinzu bekämen“, wünschte sich der Pfarrer deutliche Verstärkung.
Horst Kurz und Pfarrerin Brigitte Schrag machten indes schon mehrfach in einer Notfallsituation die Erfahrung, dass es für Betroffene einfach nur wichtig war, dass jemand da war und sie spüren ließ: sie sind nicht alleine.

„Jeder Einsatz ist anders. Man weiß im Vorhinein nie, was passiert und muss situationsbedingt reagieren“, so der Tenor anwesender Polizisten. Umso dankbarer schienen die Befragten über die Tatsache, im Einsatz immer mit wenigstens einem Kollegen unterwegs zu sein. So könne man sich bereits bei der Anfahrt gemeinsam auf den Fall vorbereiten.
„Die Kameraden kommen meist mit frischen, ungeordneten Eindrücken vom Einsatzort zurück“, gewährte auch ein Notfallseelsorger für Einsatzkräfte in der Nachsorge einen tiefen Einblick in seine Arbeit. Oft sei der innere Stresspegel gerade in der Notsituation ziemlich oben angesiedelt und lasse mit dem Antreten der Rückfahrt nach. Wenn dann wenige Tage später ein zweites Gespräch anstehe, würden die Wahrnehmungen intensiver und gelöster.
„Man arbeitet, funktioniert und ist am Ende froh, wenn man auf Augenhöhe mit jemandem sprechen kann, der weiß worüber man sich unterhält“, brachte ein Feuerwehrkamerad seine Sicht der Dinge auf den Punkt und rät seinen Kameraden: „Mimt nicht den starken Helden, sondern nehmt euch wirklich im Falle des Falles eine fachlich kompetente Hilfe an die Seite und verarbeitet eure Erlebnisse!“

(Linda Buchhammer)