Kommentar
14.11.2013

Der Bischof als Vorglaubender

Die Kritik an Tebartz-van Elst gilt seiner Profanität

"Wir müssen  die Würde des Bischofsamtes wieder schützen, die ist am Boden." Das sagte nach Zeitungsberichten der Kirchenrechtler Thomas Schüller bei einem Symposium in Frankfurt zu den Folgen des Finanzskandals im Bistum Limburg. Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), forderte . „Wir brauchen eine klarere Beschreibung des bischöflichen Amtes.“
Es geht um den Scherbenhaufen, der mit der öffentlichen Debatte um den Neubau des Diözesanen Zentrums Sankt Nikolaus in Limburg (meist nur unzutreffend Bischofsresidenz genannt) entstanden ist. Die Kirchenaustritte haben deutlich zugenommen, die Medien machen Kirchenfinanzen und angebliche wie tatsächliche öffentliche Finanzierung kirchlicher Arbeit zu Erregungsthemen, Ehrenamtliche sind frustriert, das Vertrauen in die Institution Kirche schwindet.

Das Problem ist nicht einfach die Person Franz-Peter Tebartz-van Elst. Und es ist auch nicht nur die mangelnde Kontrolle durch Öffentlichkeit oder Mitglieder. Die tägliche Geldverschwendung der Politik - gerade auch im Kleinen, im Lokalen - hat längst nicht das Erregungspotenzial wie "der Protzbischof".
Das Problem liegt in der unseligen Verknüpfung von geistlicher und weltlicher Leitung. Man kann zumindest im Protestantismus darüber debattieren, ob die geistliche Leitung der Kirche zwingend ordinierten Theologen vorbehalten sein muss. Ganz sicher aber braucht es keine Theologie, um Gebäuderenovierungen zu managen, um mit der öffentlichen Hand über Trägerzuschüsse zu verhandeln, um Arbeitsrecht zu kodifizieren.

Die Angriffsfläche Tebartz-van Elst's ist nicht sein neuer Bischofssitz, die Angriffsfläche ist sein Bischofsamt. Weil man von einem Oberpfarrer ein anderes Verhalten erwartet, ein gütiges, gerechtes, bescheidenes, sich nur um das Wohl des Nächsten bemühendes. Wer Oberhirte sein mag, muss ein wenig der Welt entrückt sein. Spirituell überzeugen. Von Gott berührt sein und dies ausstrahlen Und er hat sich auf alle Fälle nicht mit den Trivialitäten des Alltags herumzuschlagen. "Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!" verlangt nach einer Ämtertrennung in der Kirchenspitze. Ein überzeugender Priester an der Spitze kann sicherlich immer noch bei der Bevölkerung punkten, auch der kirchlich nicht eng verbundenen - das ist die Stärke des Papstes.

Aber ein normaler Manager, der sich irgendwelche sakralen Würdezeichen umhängt oder bedeutungsschwere Religionsgeschichte im Titel führt, wird Kritik, auch Hohn und Häme, immer provozieren. Das ist nicht neu, in der heutigen Zeit mit Heerscharen missionarisch eifernder Atheisten allerdings besonders einfach und erfolgreich.